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Ministerpräsidentinnen in Deutschland:Sehnsucht der Wähler nach einem neuen Politikstil

Mit Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) im Saarland, Hannelore Kraft (SPD) in Nordrhein-Westfalen und nun Malu Dreyer in Mainz sind es vier Ministerpräsidentinnen an der Zahl. Es ist davon auszugehen, dass sie auch im Bundesrat ihre eigene Agenda forcieren werden - und sie können sich der Unterstützung des Wahlvolkes sicher sein.

In ihren Bundesländern sind diese Ministerpräsidentinnen bei Umfragen die beliebtesten Politikerinnen. Es ist die Sehnsucht der Wähler nach einem neuen Politikstil, der mehr auf Inhalt als auf Lärm setzt, mehr auf einen kommunikativen Führungsstil als auf plumpes "Basta"-Sagen.

Das Erfolgsrezept dieser Frauen war es, sich erst dann in einer Debatte zu Wort zu melden, wenn sie wirklich etwas zu sagen hatten. Sie vermeiden die Konfrontation mit dem Gegner nicht aus Feigheit, sondern setzen auf Konsens - der Sache wegen. Heide Simonis, von der es heißt, sie regierte "hart wie ein Kerl" in Schleswig-Holstein, hat den Arbeitsstil ihrer Nachfolgerinnen kürzlich in einem Interview so beschrieben: "Erzähl du doch mal, wie siehst du das, wir erarbeiten die Lösungsvorschläge gemeinsam."

Früher gering geschätzt, sind sie heute hoch angesehen

Das hört sich schwer nach weiblichem Geschwurbel an, soll aber lange nicht heißen, dass man immer nur lieb zueinander ist. Kramp-Karrenbauer etwa hat auf brutalstmögliche Weise die FDP vor die Tür in Saarbrücken gesetzt und dann die Neuwahl gewonnen. Wie gesagt: Es geht um die Sache. Der Durchsetzungskraft dieses neuen Typus von Politikerin ist es zudem dienlich, dass ihre ureigenen Themen wie Soziales, Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit in das Zentrum der politischen Agenda gerückt sind. Früher gering geschätzt, sind sie heute hoch angesehen.

Malu Dreyer, die künftige Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, lebt diese Themen. Sie war Sozialdezernentin, Gesundheitsministerin, wohnt in einem alternativen Dorfprojekt. Sie ist, wie es immer wieder stolz aus der SPD tönt, "so beliebt wie hitzefrei und Freibier". In ihrem neuen Kabinett arbeiten vier männliche Minister mit fünf Ministerinnen zusammen. Die Chefin der Staatskanzlei ist eine Frau, die Regierungssprecherin auch. Dazu kommen drei Staatssekretärinnen. Selbst das von einer rot-grünen weiblichen Doppelspitze regierte Nordrhein-Westfalen verblasst angesichts dieses Mainzer Matriarchats.

Wie wird der Arbeitsstil sein? Vermutlich so: "Auch eine Henne weiß, wann die Sonne aufgeht, aber deswegen muss sie nicht jedes Mal krähen." Es ist der Standardsatz einer anderen Politikerin, Ilse Aigner von der CSU. Vielleicht wird sie ja die Nummer sechs im Bunde.