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Militäroffensive in Syrien:Assad führt Krieg gegen sein Volk

Der syrische Machthaber Baschar al-Assad geht immer brutaler gegen die Opposition in seinem Land vor: Mit Panzern sind seine Soldaten auf eine Kleinstadt im Nordwesten des Landes vorgerückt, sie sollen dort eine Politik der verbrannten Erde betreiben. Zehntausende Syrer sind vor der Gewalt bereits in die benachbarte Türkei geflohen - und haben Abscheuliches aus ihrer Heimat zu berichten.

An der syrischen Grenze zur Türkei haben sich Tausende versammelt, sie suchen Schutz vor den Truppen von Präsident Baschar al-Assad. Inzwischen hätten 41.000 Syrer die Grenze zur Türkei überquert, teilt ein hochrangiger Vertreter der türkischen Regierung nach einem Bericht des britischen Guardian mit.

Inszenierung für die Medien: Assads Soldaten präsentieren ihre Waffen bei einem Fototermin, den das syrische Regime organisiert hat. Eine unabhängige Berichterstattung aus dem Land ist nicht möglich, da Assad ausländischen Journalisten den Zutritt verwehrt.

(Foto: AP)

Viele Flüchtlinge kommen aus der Grenzstadt Dschisr al-Schogur im Nordwesten des Landes. Sie berichten von schrecklichen Erlebnissen. Ein Augenzeuge aus einer Siedlung auf einer Anhöhe über Dschisr al-Schogur schilderte dem britischen Sender BBC, wie am Vortag rund 40 Panzer das daruntergelegene Dorf angegriffen hatten. Dabei hätten sie mitten in die Häuser geschossen.

Wie viele Tote es gegeben habe, konnte er nicht sagen. Jedoch habe er beobachtet, wie die Soldaten Felder niederbrannten und Olivenbäume ausrissen, um den Überlebenden jede Lebensgrundlage zu nehmen. Von unabhängiger Seite können diese Berichte nicht überprüft werden, weil das Regime von Präsident Baschar al-Assad keine unabhängigen Medien im Land zulässt.

Einige der Flüchtlinge hätten schwere Schusswunden, berichtet die BBC weiter. Der Sender zitiert einen Flüchtling, der erzählt, wie man ihm in den Rücken geschossen hätte, als er versucht habe, einem anderen Verletzten zu helfen.

Die Türkei wappnet sich derweil für den Flüchtlingsanstrom: Im Grenzgebiet ließ das Land Lager in einer großen Halle sowie auf dem Gelände einer stillgelegten Tabakfabrik einrichten. Am Samstag wurde ein drittes Auffanglager mit Feldbetten ausgerüstet. Die Zeitung Radikal berichtete, sollte die Zahl der syrischen Flüchtlinge die Marke 10.000 überschreiten, werde die Türkei eine Pufferzone einrichten. "Der Grenzbereich ist praktisch schon zu einer Pufferzone geworden", zitiert die Zeitung einen Helfer auf syrischer Seite. "Hier sind 7000 bis 10.000 Menschen." Familien suchten nahe der Grenze unter Bäumen Schutz.

Sowohl das syrische Staatsfernsehen als auch Oppositionelle hatten zuvor davon berichtet, wie Assads Truppen und Panzer auf die Kleinstadt im Nordwesten vorrückten. Oppositionelle meldeten auf ihren Webseiten, dass in Dschisr al-Schogur Militärhubschrauber über dem Ort kreisten und dass über einem Wohnviertel schwarze Rauchwolken aufgestiegen seien. Das syrische Staatsfernsehen berichtete, die Truppen hätten in den umliegenden Dörfern mehrere bewaffnete Männer festgenommen.

Assad brüskiert Ban

Das brutale Vorgehen gegen den Ort an der türkischen Grenze dürfte eine Vergeltungsmaßnahme wegen der regime-feindlichen Haltung der meisten Bewohner darstellen. Nach Behauptung der Staatsmedien sollen in Dschisr al-Schogur Anfang der Woche 120 Soldaten und Polizisten von "Extremisten" aus den Reihen der örtlichen Bevölkerung getötet worden seien. Nach Angaben von Oppositionellen hingegen seien die Soldaten und Polizisten von Angehörigen der Sicherheitskräfte erschossen worden, weil sie den Befehl verweigert hätten, auf unbewaffnete Demonstranten zu schießen.

Zuvor war Assad auch auf Konfrontationskurs mit der internationalen Gemeinschaft gegangen. Er ließ sogar UN-Generalsekretär Ban Ki Moon abblitzen, als dieser mit ihm telefonieren wollte. Ban wurde bei seinem Anruf kurzerhand brüskiert: Einer UN-Sprecherin zufolge ließ Assad dem Chefdiplomaten der Weltorganisation ausrichten, er sei "für ihn nicht verfügbar".

Ban hatte Assad zum Halt der brutalen Militäreinsätze auffordern wollen, hieß es von Seiten der Vereinten Nationen. Der UN-Chef kritisierte den Einsatz militärischer Gewalt gegen Zivilisten in der Nacht zum Samstag erneut als "nicht akzeptierbar". Er sei tief besorgt über das Vorgehen, hieß es in einer UN-Erklärung an Damaskus, und erwarte wirkliche Reformen von al-Assads Regime.

Der UN-Sicherheitsrat debattiert seit vergangener Woche über einen Resolutionsentwurf, der die Regierungsgewalt gegen friedliche Demonstranten in Syrien verurteilen und ihr sofortiges Ende verlangen würde. Das von Frankreich, Großbritannien, Deutschland und Portugal verfasste Dokument hat nach Angaben aus diplomatischen Kreisen die nötige Stimmenzahl, um angenommen zu werden. Unklar ist, ob Russland oder China ein Veto einlegen wollen, um die Resolution damit zu Fall zu bringen.