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Militäroffensive in Syrien:Armee rückt auf Protesthochburg im Norden vor

Einen Brennpunkt hat er unter Kontrolle, jetzt greift Syriens Diktator Assad die nächste Hochburg der Rebellen an: Nachdem seine Armee mit 200 Panzern in Dschisr al-Schughur eingerückt ist, soll sie nun kurz vor Maarat al-Numaan stehen. Aus Angst vor der Gewalt des Regimes fliehen die Menschen zu Tausenden in Richtung Türkei und Libanon.

Nach der Niederschlagung von Protesten in der syrischen Stadt Dschisr al-Schughur rückt die Armee auf eine weitere Hochburg der Opposition im Norden vor. Flüchtlinge und Augenzeugen berichteten am Montagabend, das Militär habe mittlerweile die Ortschaft Ahtam erreicht und stehe damit etwa 14 Kilometer vor der Stadt Maarat al-Numaan. Dort waren in den vergangenen Wochen ebenfalls zahlreiche Syrer auf die Straßen gezogen, um gegen die Herrschaft von Präsident Baschar al-Assad zu protestieren.

Unrest in Syria

Jubelnde Truppen des syrischen Regimes im Fernsehen: Nachdem Dschisr al-Schughur wieder unter Kontrolle ist, rückt die Armee nun auf die nächste Hochburg vor.

(Foto: dpa)

Die syrische Führung hat die meisten Auslandskorrespondenten ausgewiesen, so dass eine Überprüfung der Berichte schwierig ist. Seit Beginn der Proteste in Syrien vor drei Monaten sind nach Angaben von syrischen Menschenrechtsgruppen 1300 Zivilisten und 300 Soldaten getötet worden.

Am Samstag war das Militär in die Stadt Dschisr al-Schughur im Nordwesten des Landes einmarschiert - "um bewaffnete Banden zu vertreiben", wie es von offizieller Seite hieß. Berichten zufolge stießen die Soldaten auf heftige Gegenwehr. Der britische Sender BBC berichtete von drei Toten. Etwa 200 Panzer waren an der Operation beteiligt, Hubschrauber kreisten über dem Ort. Zudem nahmen die Truppen die Kleinstadt mit Artillerie unter Beschuss. Syrische Oppositionelle sprachen von einer massiven Militäraktion.

Die Armee hatte die Offensive in der nordwestlichen Region Syriens gestartet, nachdem in der vergangenen Woche in Dschisr al-Schughur 120 Soldaten getötet worden waren. Einwohnern zufolge war es zu einer Meuterei unter den Truppen gekommen, weil einige Soldaten nicht auf demonstrierende Regierungsgegner schießen wollten. Die Führung in Damaskus machte dagegen bewaffnete Banden für den Tod der Soldaten verantwortlich und entsandte neue Truppen.

Wegen der Gewalt der Sicherheitskräfte sind nach Angaben der Vereinten Nationen mittlerweile mehr als 10.000 Menschen aus Syrien geflohen. Etwa 5000 Syrer hätten in der Türkei, etwa 5000 weitere im Libanon Zuflucht gefunden, sagte die UN-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos. Augenzeugen zufolge harren zudem etwa 10.000 weitere Flüchtlinge nahe der Grenze zu den Nachbarländern aus.

Die Hilfsorganisation Roter Halbmond bereitet nach UN-Angaben ein viertes Flüchtlingslager mit Platz für 2500 weitere Menschen vor. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief die syrische Führung erneut auf, Mitarbeiter des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes ins Land zu lassen. Die Lage sei "sehr besorgniserregend".

© sueddeutsche.de/rtr/afp/mikö/gal
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