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Militärischer Abschied für Christian Wulff:Heinemanns Alternativprogramm

Der Ablauf des Zapfenstreichs ist klar geregelt. Der Geehrte darf sich Musikstücke aussuchen, die für ihn gespielt werden. Dabei gibt es keine zahlenmäßige Festlegung. Üblich sind drei Stücke, aber es hat auch schon Zapfenstreiche mit zwei oder vier gegeben. Wulff hat sich vier gewünscht.

Gustav Heinemann Prantls Blick EGOWiG Amnestie NS-Verbrechen

Schipperte statt eines Zapfenstreichs lieber mit Hunderten Gästen auf dem Rhein: Gustav Heinemann, der erste sozialdemokratische Bundespräsident (Archivfoto von 1969)

(Foto: dpa)

Anders als bei den meisten seiner Amtsvorgänger wird kein Altpräsidenten am Zapfenstreich für Wulff teilnehmen, wie deren Büros schon am Montag der SZ bestätigten.

Die vier noch lebenden Ex-Staatsoberhäupter Walter Scheel, Richard von Weizsäcker, Roman Herzog und Horst Köhler seien allerdings eingeladen gewesen, sagte ein Sprecher des Präsidialamts auf SZ-Anfrage. Aus dem Umfeld Scheels hieß es, der inzwischen 93-Jährige "geht gerne zu Zapfenstreichen". Der FDP-Ehrenvorsitzende habe den Abschieden seiner Nachfolger Weizsäcker 1994, Herzog 1999 und Rau 2004 beigewohnt.

Bei Rau war auch Weizsäcker anwesend, ebenso wie bei der Zeremonie für Horst Köhler 2010. Warum Weizsäcker diesmal nicht kommt, ließ sein Büro offen.

Aus Köhlers Umgebung verlautet, der direkte Vorgänger Wulffs sei wegen einer Auslandsreise verhindert. Herzog sagte wegen eines anderen Termins ab: Er sei alleiniger Redner auf einer Veranstaltung bei Düsseldorf - "er kann nicht 150 Gäste sitzen lassen", hieß es aus seinem Büro in Heilbronn.

Dass ein Abschied vom höchsten Staatsamt auch ohne Fackeln und Soldaten ehrenvoll wirken kann, zeigte Gustav Heinemann, dem das Militärische ohnehin nicht lag. Als er 1974 aus dem Amt schied, verzichtete er auf den Zapfenstreich - und lud zu einer Bootsfahrt auf dem Rhein.

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