Vorfall in Syrien Putin wertet Abschuss russischer Maschine als Verkettung unglücklicher Umstände

Ein Flugzeug des Typs Iljuschin Il-20 ist in Syrien über dem Mittelmeer verschwunden.

(Foto: AFP)
  • Vor der syrischen Mittelmeerküste ist ein russisches Militärflugzeug mit 15 Menschen an Bord wohl abgeschossen worden.
  • Russlands Präsident Putin spricht von einem Versehen. Zuvor hatte sein Verteidigungsministerium Israel für den Abschuss verantwortlich gemacht und mit Vergeltung gedroht.
  • Die israelische Armee weist die Verantwortung für den Vorfall vehement zurück.

Russlands Präsident Wladimir Putin wertet den Abschuss eines russischen Flugzeuges als Verkettung unglücklicher Umstände und entschärft damit einen sich anbahnenden Konflikt mit Israel. Man müsse noch genau untersuchen, was in Syrien passiert sei, sagte das russische Staatsoberhaupt am Rande eines Treffens mit Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán in Moskau. Er kündigte an, die Konsequenzen aus dem Vorfall sollten der Sicherheit der russischen Soldaten in Syrien dienen.

Zuvor hatte das russische Verteidigungsministerium Israel für den Abschuss eines russischen Aufklärungsflugzeuges mit 15 Insassen verantwortlich gemacht, das inmitten nächtlicher Luftangriffe auf Syrien über dem Mittelmeer abgeschossen worden war. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums hatte Israel vorgeworfen, "das russische Flugzeug als Deckung genutzt und es so dem Beschuss der syrischen Luftabwehr ausgesetzt zu haben". Russland behalte sich eine "angemessene Reaktion" auf Israels "feindliches" Vorgehen vor, sagte der Sprecher weiter.

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Israel wies die Vorwürfe aus Moskau hingegen zurück. Das syrische Assad-Regime, dessen Armee das russische Flugzeug abgeschossen habe, trage dafür die volle Verantwortung, hieß es in einer am Mittag veröffentlichten Stellungnahme der israelischen Armee. Die syrische Luftabwehr habe wahllos gefeuert und sich nicht darum gekümmert, ob russische Maschinen in der Luft gewesen seien. Doch auch "Iran und die Hisbollah-Terrororganisation" seien für diesen Vorfall verantwortlich. Zugleich drückte Israel "sein Bedauern über den Tod der Crew an Bord des russischen Flugzeugs" aus.

Das russische Aufklärungsflugzeug vom Typ Iljuschin Il-20 befand sich dem russischen Verteidigungsministerium zufolge am Montagabend auf dem Rückweg zur Militärbasis Hmeimim nahe der Küste im Westen Syriens. Der letzte Kontakt habe gegen 23 Uhr Moskauer Zeit stattgefunden. Dann sei die Propellermaschine vom Radar verschwunden. Zu genau dieser Zeit hätten vier israelische Kampfflugzeuge Ziele in dem Gebiet angegriffen.

Russische Suchschiffe hatten im Mittelmeer Wrackteile des Flugzeugs gefunden. Auch Leichenteile der 15 getöteten Soldaten an Bord seien geborgen worden. Die Absturzstelle liege im Meer etwa 27 Kilometer westlich des syrischen Küstenortes Banias, meldete die Agentur Interfax nach diesen Angaben.

Theoretisch könnten auch andere Parteien verantwortlich sein

Die russischen Streitkräfte unterstützen Regierungstruppen in Syrien. Israel verfolgt offiziell eine Politik der Nichteinmischung. Dennoch bombardiert die israelische Armee seit Jahren in Syrien immer wieder iranische Stellungen und Waffenlieferungen für die libanesische Hisbollah-Miliz, die wie Russland das Assad-Regime unterstützen. Russland und Israel stimmen sich in Syrien in der Regel ab.

Theoretisch könnten auch andere am Syrien-Krieg beteiligte Parteien die Maschine versehentlich getroffen haben. Eine französische Fregatte soll zur gleichen Zeit Raketen abgefeuert haben. Frankreich hat nach eigenen Angaben aber nichts mit dem verschwundenen Flugzeug zu tun. "Wir schließen jede Beteiligung aus", sagte ein Militärsprecher. Die USA äußerten sich nicht dazu, wer in der Region Luftangriffe geflogen habe, es seien aber nicht die USA gewesen.

Der Krieg in Syrien hat im März 2011 mit Protesten gegen die autoritäre Regierung von Machthaber Assad begonnen. Inzwischen spielen sich in dem Land über den Bürgerkrieg hinaus mehrere Konflikte ab, in denen internationale Mächte mitmischen. Moskau kontrolliert den Luftraum und spielt eine zentrale Rolle. Am Montagabend gaben Russland und die Türkei bekannt, dass sie in der letzten verbleibenden Rebellenhochburg Idlib eine entmilitarisierte Zone einrichten wollen.

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