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Militär - Kaiserslautern:Experte zu möglichem Teilabzug: Auf Veränderung einstellen

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Kaiserslautern (dpa/lrs) - Der Amerikaexperte David Sirakov hat davor gewarnt, US-Medienberichte über einen möglichen Abzug von US-Soldaten aus Deutschland als bloße Spekulationen abzutun. "Ich gehe davon aus, dass es eine Umsetzung dieser Gedanken geben wird. Wir müssen uns auf eine Veränderung einstellen", sagte der Direktor der Atlantischen Akademie Rheinland-Pfalz der Deutschen Presse-Agentur. US-Präsident Donald Trump und der bisherige US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, hätten mehrfach von einem möglichen Abzug gesprochen. "Es ist ein Fehler, zu glauben, dass alles, was Trump sagt, nur ein Versuchsballon ist. Vieles, was von ihm kam, fand Umsetzung."

Auf der Suche nach dem Grund für einen möglichen Teilabzug verfestige sich der Eindruck, dass es eine Art "Strafe" für die deutsche Sicherheitspolitik sein könnte. "Auch das Timing spricht dafür, dass die jüngsten Probleme zwischen Berlin und Washington eine Rolle spielen", meinte Sirakov.

Zwar sei das Argument zu hören, die gestiegenen Verteidigungshaushalte der europäischen Partner machten bestimmte Einheiten überflüssig. "Aber das überzeugt mich nicht - zumal, wenn Teile nach Polen verlegt werden sollten." Die Nato würde dadurch nicht gestärkt. "Man erschüttert den inneren Zusammenhalt, wenn man ein Land gegen das andere ausspielt."

Viele Fragen seien aber noch offen, sagte der Experte. "Das betrifft insbesondere den Zeithorizont. Die Verlegung der Armybase von Mannheim/Heidelberg nach Wiesbaden dauerte zum Beispiel zehn Jahre. Man muss dann auch die nötige Infrastruktur am Zielort bereit haben."

Unabhängig davon sei es naiv zu glauben, die Streitpunkte würden nach der Präsidentschaft von Trump verschwinden. "Die ungleiche Lastenverteilung ist kein spezielles Thema der Trump-Administration. Bereits bei seinen Vorgängern herrschte oft die Meinung vor, dass die USA die Sicherheit Deutschlands und Europas mitfinanzieren."

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