Leben im Einwanderungsland:"In Deutschland fühle ich mich zu Hause"

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Leben im Einwanderungsland: Auch die Hälfte der Deutschen mit Migrationshintergrund möchte die Zuwanderung begrenzen. Passanten mit Kopftüchern am Kölner Rheinboulevard.

Auch die Hälfte der Deutschen mit Migrationshintergrund möchte die Zuwanderung begrenzen. Passanten mit Kopftüchern am Kölner Rheinboulevard.

(Foto: Christoph Hardt/Imago/Panama Pictures)

Ob sie nun zugewandert sind oder alteingesessen: In einer Umfrage bekunden viele Menschen eine hohe Verbundenheit mit der Bundesrepublik.

Von Nina von Hardenberg

Im Großen und Ganzen läuft es gut im Einwanderungsland Deutschland. Egal ob alteingesessen oder zugewandert: Die allermeisten Menschen fühlen sich hierzulande zu Hause und mit Deutschland verbunden. Das ist das Ergebnis einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage der Bertelsmann-Stiftung. Der Aussage "Die meisten Menschen akzeptieren mich so, wie ich bin" stimmten demnach sagenhafte 88 Prozent der Menschen ohne Migrationshintergrund zu, aber auch 86 Prozent der Befragten, die selbst oder deren Vater oder Mutter zugewandert sind. Ähnlich hoch waren die Zustimmungswerte bei Sätzen wie "In Deutschland fühle ich mich zu Hause" (84 beziehungsweise 80 Prozent) oder "Alles in allem bin ich mit meinem Leben, so wie ich es hier in Deutschland führe, zufrieden" (71 beziehungsweise 72 Prozent).

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(Foto: SZ-Grafik/Berteslmann Stiftung)

Die derart hohen Zustimmungswerte hätten auch sie überrascht, sagt Ulrike Wieland, Mitautorin der Studie. "Es zeigt, dass Deutschland beim Thema Integration und Zusammenwachsen der Gesellschaft Fortschritte gemacht hat." Deutschland sei ein lebenswertes Land, nicht nur für die, die seit Generationen hier wohnen, sondern auch für Einwanderer und ihre Kinder.

Dabei birgt die Studie durchaus Anlass zur Sorge, und zwar beim Thema Vertrauen in die Institutionen. Hier äußerten sich alle Teilnehmer - mit oder ohne Migrationshintergrund - erschreckend negativ. Nicht einmal jeder fünfte Befragte hat demnach großes oder sehr großes Vertrauen in die politischen Parteien - Menschen mit Migrationshintergrund mit 17 Prozent sind nur noch etwas skeptischer als Menschen ohne (19 Prozent). Nicht einmal jeder Dritte hat großes Vertrauen in Parlament oder Bundesregierung, nur jeder Zweite in die Gerichte. Das geringe Vertrauen in politische Institutionen ist kein neues Phänomen - gleichwohl ist es für die Demokratie ein Alarmzeichen, sagt auch Wieland. "Offensichtlich sind viele Menschen vom politischen Diskurs zu sehr abgekoppelt oder fühlen sich nicht gehört."

Zwei Drittel plädierten dafür, die Zahl der Einwanderer nach Deutschland zu begrenzen

Am besten schneidet bei den Institutionen noch die Polizei ab, der immerhin zwei Drittel der Alteingesessenen und 57 Prozent der Menschen mit Migrationshintergrund großes bis sehr großes Vertrauen entgegenbringen. Die Diskrepanz hier könnte ein Hinweis auf negative Erfahrungen sein, die Zugewanderte mit der Polizei gemacht haben könnten, etwa dass sie aufgrund von rassistischen Zuschreibungen häufiger kontrolliert wurden. Weitere Studien seien hier wünschenswert. Der frühere Innenminister Horst Seehofer hatte allerdings eine Studie zu möglichem Rassismus in der Polizei abgelehnt. Die Ampelkoalition will das Thema nun angehen.

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(Foto: SZ-Grafik/ Berteslmann Stiftung)

Das Gefühl der Ungleichbehandlung klingt auch aus anderen Antworten. So bejahten Menschen mit Migrationshintergrund deutlich häufiger, dass Wohnungs- und Jobsuche "für Menschen wie sie" schwierig sei. Und tatsächlich gibt es auch weiterhin Vorbehalte: Zwei Drittel der Befragten (aber immerhin auch 56 Prozent der Menschen mit Migrationshintergrund) plädierten dafür, die Zahl der Einwanderer nach Deutschland deutlich zu begrenzen. Mit dem Gefühl, sich "manchmal wie ein Fremder im Land zu fühlen", sind die Eingewanderten dagegen keineswegs allein. Dem stimmten auch 45 Prozent Menschen ohne Migrationshintergrund zu.

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