Michel Friedman:"Ich bitte Sie um eine zweite Chance"

Michel Friedman trägt die Konsequenzen seines Kokain-Missbrauchs: "Ich werde alle öffentlichen gewählten Ämter niederlegen", sagte Friedman in seinem ersten Auftritt seit Bekanntwerden der Affäre. Offenbar will der Anwalt, Politiker und TV-Moderator aber früher oder später auf die öffentliche Bühne zurückkehren.

Er akzeptierte zugleich einen Strafbefehl in Höhe von 17.400 Euro. Damit ist der Rechtsanwalt und CDU-Politiker vorbestraft. Sein Anwalt Eckart Hild berichtete, der Strafbefehl des Amtsgerichts Berlin sei rechtskräftig.

Friedman

Michel Friedman gestand bei einer Pressekonferenz seine Schuld

(Foto: dpa)

Friedman begründete seine Entscheidung bei einer Pressekonferenz in Frankfurt am Main mit den "harten Maßstäben", die er bei seinen öffentlichen Auftritten auch an andere gelegt habe.

"Ja, ich habe einen Fehler gemacht", sagte Friedman auf einer Pressekonferenz, seinem ersten öffentlichen Auftritt seit die Vorwürfe gegen ihn bekannt geworden waren.

"Ich bin auch nur ein Mensch"

Der Moderator entschuldigte sich bei allen, deren Vertrauen er enttäuscht habe. Ausdrücklich entschuldigte sich Friedman besonders bei seiner Lebensgefährtin Bärbel Schäfer, die er über alles liebe. Er werde mit aller Kraft versuchen, dieses verlorene Vertrauen wieder zurückzugewinnen.

Er wolle sein Verhalten nicht relativieren oder verharmlosen, aber auch er sei nur ein Mensch. Er bitte um eine zweite Chance, sagte Friedman, der bei der Pressekonferenz keine weiteren Fragen zuließ.

Unklar ist, ob Michel Friedman seine Fernsehmoderation fortsetzen wird. Der Intendant des Hessischen Rundfunks, Helmut Reitze, erklärte, mit Friedman sei "zeitnah" ein vertrauliches Gespräch verabredet. Dabei solle über alles gesprochen werden, "was mit einer möglichen weiteren Rolle als Moderator im Fernsehen zusammenhängt".

Friedman habe sich zum Drogenmissbrauch bekannt und müsse nun damit fertig werden, vorbestraft zu sein, erklärte Reitze weiter. Um sein Leben neu zu ordnen, brauche er "Ruhe, Distanz und Zeit zum Nachdenken über seine Zukunft".

Seine Tätigkeit als Fernsehmoderator hat Friedman vorerst ausgesetzt. Drei noch vor der Sommerpause geplante Ausgaben von "Vorsicht Friedman" im hessischen Fernsehen und eine Folge "Friedman!" in der ARD wurden nicht mehr produziert.

Erster öffentlicher Auftritt seit Beginn der Affäre

Ausgangspunkt der Affäre waren Ermittlungen der Berliner Justiz gegen einen osteuropäischen Zuhälterring. Beim Abhören von Handys der Zuhälter und auf Grund der Aussagen von Prostituierten waren die Fahnder laut Medienberichten auf den Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland aufmerksam geworden.

Am 4. Juni durchsuchten sie die Wohnung und die Kanzlei des auch als Rechtsanwalt tätigen Moderators in Frankfurt am Main und stellten dabei mehrere Tütchen mit Kokainresten sicher. Eine Haarprobe, deren Ergebnis bis zuletzt geheim gehalten worden war, soll den Verdacht des Drogenkonsums bestätigt haben.

Friedman selbst hatte sich mit Beginn der Kokain-Affäre völlig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und bis zu dieser Pressekonferenz am Dienstag in Frankfurt konsequent geschwiegen.

Ein Strafbefehl wird oftmals bei geringfügigen Delikten oder einfach zu beurteilenden Sachverhalten erlassen, um eine aufwendige Hauptverhandlung zu vermeiden. Falls der Betroffene die Sanktion nicht akzeptiert, kommt es zur Verhandlung.

Verhängt werden können Geldstrafen bis zu 360 Tagessätzen des jeweiligen Netto-Einkommens oder Freiheitsstrafen bis zu einem Jahr mit Bewährung. Für die Justiz gilt der Beschuldigte als vorbestraft, auch wenn die Strafe bei einer Geldstrafe bis zu 90 Tagessätzen nicht im Polizeiregister eingetragen wird.

(sueddeutsche.de/dpa/AP/AFP)

Zur SZ-Startseite
Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB