Internationale Ermittlungen Vier prorussische Rebellen werden für Abschuss des Fluges MH17 angeklagt

Ein prorussischer Separatist steht auf einem Teil der durch Beschuss abgestürzten Maschine von MH17.

(Foto: REUTERS)
  • Nach dem Abschuss der Passagiermaschine MH17 über der Ostukraine werden vier Separatisten angeklagt.
  • Die Ermittler werfen ihnen Mord in 298 Fällen vor.
  • Russland kritisiert die internationalen Ermittlungen als einseitig.
  • Zwei der Angeklagten weisen die Vorwürfe zurück.
  • Von Russland heißt es, die die Mordanklage basiere auf "absolut unbegründeten Anschuldigungen".

Internationale Ermittler machen vier Separatisten für den Abschuss des Passagierflugzeuges MH17 über der Region Donbass in der Ostukraine verantwortlich. Bei dem Absturz der Boeing 777 vor knapp fünf Jahren waren 298 Menschen ums Leben gekommen. Die drei Russen und ein Ukrainer würden des Mordes beschuldigt. Es handelt sich dabei um Igor Girkin, einen militärischen Führer der prorussischen Rebellen, auch bekannt unter seinem Kampfnamen Strelkow, den früheren russischen Geheimdienstoffizier Sergej Dubinski, Oleg Pulatow, ebenfalls ein hoher Offizier bei den Separatisten, sowie Leonid Chartschenko, ein Kommandant der Rebellen in Donezk.

Für die vier Männer wurden internationale Haftbefehle ausgestellt. Zwei der Verdächtigen sollen sich den Ermittlungen zufolge in Russland aufhalten, ein weiterer Mann sei zuletzt in der Ostukraine gesichtet worden. Der Strafprozess solle am 9. März 2020 in den Niederlanden beginnen, erklärten die Leiter der Ermittlungen. Die Ermittlungen seien aber noch nicht abgeschlossen, sagte ein Staatsanwalt. Weitere Haftbefehle wurden nicht ausgeschlossen.

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An dem internationalen Ermittlerteam unter niederländischer Leitung beteiligen sich Malaysia, Australien, Belgien und die Ukraine. Das Team einigte sich im vergangenen Jahr darauf, dass die Verantwortlichen für den Abschuss in den Niederlanden vor Gericht gestellt werden sollen. Das Land hatte die meisten Opfer zu beklagen - unter den 298 Insassen waren 193 Niederländer.

Die Maschine der Malaysia Airlines war am 17. Juli 2014 über der Ostukraine mit einer Luftabwehrrakete des Typs Buk abgeschossen worden. Das Waffensystem stammte den Ermittlern zufolge von einer Brigade der russischen Armee. Die vier Verdächtigen sollen verantwortlich dafür sein, dass die Luftabwehrrakete aus Russland in die Ostukraine transportiert worden war.

"Die Rebellen haben mit dieser Katastrophe nichts zu tun - weder ich noch andere", sagte Girkin, genannt Strelkow, der Agentur Interfax. Ein zweiter Verdächtiger ließ über einen Sprecher ebenfalls eine Beteiligung zurückweisen.

Russland wies die Vorwürfe zurück und kritisierte die Ermittlungen als einseitig. "Russland hatte keine Möglichkeit, an den Ermittlungen zu dieser furchtbaren Katastrophe teilzunehmen, obwohl wir das von Anfang an angeboten hatten", sagte ein Kremlsprecher nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax. Zu den in Medien genannten vier mutmaßlichen Verantwortlichen sagte er, dass Moskau die offizielle Mitteilung der Untersuchungskommission abwarte. Später hieß es, die MH17-Mordanklage basiere auf "absolut unbegründeten Anschuldigungen".

Die von Russland unterstützten Separatisten wiesen ebenfalls kategorisch zurück, dass Russland etwas mit dem Abschuss zu tun habe. Es habe nicht einmal die technische Möglichkeit gegeben, das Buk-System von Russland in den Donbass zu transportieren, sagte Andrej Purgin. Er bezeichnet sich als Vize-Regierungschef in der selbst ernannten Volksrepublik Donezk. Das für den Abschuss benutzte Buk-System stamme vielmehr aus den Beständen der ukrainischen Streitkräfte. "In Donezk gab es einfach niemanden, der das hätte bedienen können", sagte Purgin. Die Anschuldigungen seien daher absurd. Vielmehr habe die Ukraine das Personal gehabt, um das System zu bedienen. "In Russland werden die Anlagen praktisch schon nicht mehr benutzt", sagte Purgin.

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