MH17:Die Spuren des Recherche-Netzwerks Bellingcat führen nach Russland

Der Bericht bestätigt in vielen Punkten die Erkenntnisse des Recherche-Netzwerks Bellingcat. Die Gruppe um den Briten Eliot Higgins war bereits 2014 zu dem Schluss gekommen, dass eine Buk-Rakete aus dem Rebellengebiet auf die Boeing abgefeuert wurde. Sie hatte öffentlich zugängliche Daten wie Twitter-Einträge und Satellitenaufnahmen von Google ausgewertet.

Während der Bericht des offiziellen Ermittlerteams vorerst an der russischen Grenze haltmacht, geht Bellingcat weiter. Im Februar veröffentlichte das Netzwerk die Ergebnisse seiner Recherchen in sozialen Netzwerken und auf russischen Militärwebsites. Die Spuren führen zum zweiten Bataillon der 53. Luftabwehrbrigade in Kursk, 100 Kilometer östlich der ukrainischen Grenze. Aus deren Beständen soll die fahrbare Raketenrampe kommen. Sogar die Tatwaffe wollen Higgins und seine Leute identifiziert haben.

Auch die Soldaten, die für diese Buk verantwortlich waren, lassen sich ermitteln. Ihre Namen hat Bellingcat an das JIT weitergegeben. Zur Verantwortung gezogen würden aber auch ihre Vorgesetzten: Infrage kommen der Kommandierende der Luftabwehr der 20. Armee, der Kommandierende für die Luftabwehr im westlichen Wehrbezirk sowie der Oberkommandierende der russischen Luftabwehr. Die Entscheidung, Militärgerät in die Ukraine zu schicken, muss auf höchster Ebene getroffen worden sein - von Verteidigungsminister Sergej Schoigu, womöglich von Wladimir Putin selbst.

Russland bestreitet die Vorwürfe

Russland streitet alle Vorwürfe ab und erkennt die Berichte nicht an. Sie seien "politisch motiviert". Die Daten der russischen Luftüberwachung würden "unwiderlegbar" zeigen, dass die Rakete von einem Gebiet aus abgefeuert wurde, das nicht unter der Kontrolle der Separatisten stand, sagte Putins Sprecher Dmitrij Peskow nach der Vorstellung des Berichts am Mittwoch.

Von Anfang an verwendete Moskau große Mühe darauf, alternative Versionen des Tathergangs zu verbreiten. Wenige Tage nach dem Abschuss lud der russische Generalstab zu einer Präsentation, in der etwa behauptet wurde, Flug MH 17 sei kurz vor dem Abschuss vom Kurs abgewichen. Außerdem habe die russische Flugüberwachung einen ukrainischen Kampfjet in der Nähe der Boeing identifiziert.

Kurz vor der Vorstellung des ersten Ermittlungsberichts im Oktober 2015 präsentierte der Buk-Hersteller Almas-Antai die Ergebnisse einer Simulation des Hergangs. Dieser soll gezeigt haben, dass die Beschädigungen an der Boeing darauf hindeuteten, dass sie nicht aus dem Ort Snischne abgefeuert wurde, sondern aus einem von der ukrainischen Armee kontrollierten Ort in der Nähe.

An diesem Montag stellte der russische Generalstab eine neue Untersuchung vor, die seiner ersten in zentralen Punkten widersprach. Bisher verlegte Radardaten seien wiedergefunden worden, hieß es. Die ursprünglich berichtete Kursänderung kommt nicht mehr vor. Zudem erklärte das Verteidigungsministerium nun entgegen seinen ursprünglichen Behauptungen, in der Nähe der Malaysia Airlines-Maschine sei kein anderes Flugzeug registriert worden.

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