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MH17:Alle Spuren führen nach Russland

  • Flug MH17 wurde von einer Flugabwehrrakete abgeschossen, die nur kurz zuvor aus Russland in die Ostukraine geliefert worden war.
  • Die Rakete wurde aus einem Ort abgefeuert, der zur Unglückszeit in der Hand der prorussischen Rebellen war.
  • Wer für das Abfeuern der Rakete verantwortlich sein soll, sagten die Ermittler nicht.
  • Erkenntnisse des Bellingcat-Recherchenetzwerkes deuten daraufhin, dass die Entscheidung, das BUK-System in die Ostukraine zu liefern, auf höchster Ebene in Russland gefallen sein muss.

Die am 17. Juli 2014 in der Ukraine abgestürzte Passagiermaschine, die auf dem Weg von Amsterdam nach Malaysia war, ist von einer Buk-Boden-Luft-Rakete abgeschossen worden. Zu dieser Erkenntnis ist das internationale Ermittlerteam gelangt, das nach zwei Jahren Arbeit im niederländischen Nieuwegein seine Arbeit vorstellte.

Die Experten präsentierten weitere Ergebnisse: Die Rakete wurde von einem Ort abgefeuert, der zur Tatzeit in der Hand der prorussischen Rebellen war. Das Raketensystem war von russischem Gebiet aus zum Abschussort gebracht worden, einem Feld in der Nähe von Perwomajsk, 21 Kilometer vom Absturzort der Passagiermaschine im Südosten der Ukraine entfernt. Anschließend wurde das System über Luhansk auf russisches Gebiet zurückgefahren.

Die Ermittler nannten bisher keine Verdächtigen

Obwohl nun alles auf eine russische Verantwortung hindeutet, scheute sich das Team unter Leitung des Niederländers Fred Westerbeke, mit dem Finger auf Russland und auf konkrete Tatverdächtige zu deuten. "Wir können und wollen noch nicht alles sagen", so Westerbeke. "Sonst riskieren wir, die Untersuchung zu gefährden." Man habe etwa 100 Verdächtige namentlich im Visier, die direkt oder indirekt an der Tat beteiligt gewesen sein könnten. Wichtig sei nun, die Hierarchien zu erhellen, um zu erhärten, wer den Auftrag zum Abschuss erteilt habe. Bei dem Unglück starben 298 Menschen, 196 von ihnen kamen aus den Niederlanden.

Die Bundesregierung begrüßte die Ermittlungsergebnisse. Außenamtssprecher Martin Schäfer sagte, die Ergebnisse seien glaubwürdig sowie sehr sorgfältig recherchiert.

In dem Untersuchungsteam, das die strafrechtliche Verantwortung klären soll, arbeiten Experten aus den Niederlanden, Belgien, Malaysia, Australien und der Ukraine. Die Ermittler wollen nun bis mindestens 2018 weiterarbeiten, um gerichtsfeste Beweise präsentieren zu können. Bei der Frage, woher die 100 Genannten stammen, wich Westerbeke aus. Wenn die endgültig Tatverdächtigen allerdings aus Russland kämen, dann werde man mit den russischen Behörden über eine Auslieferung reden. Die Niederlande und Australien hatten im vergangenen Jahr die Einrichtung eines speziellen UN-Tribunals gefordert. Russland lehnt dies ab.

Das Joint Investigation Team (JIT) betonte, es habe sehr viele Spuren ausgewertet: Zehntausende Wrackteile seien überprüft worden. Durch Videos, abgehörte Gespräche und Zeugenaussagen habe der Weg der Buk genau nachverfolgt werden können. Demnach wurde das System von einem weißen Volvo-Zugfahrzeug auf einem roten Tieflader in die Ukraine bis in den Ort Snischne gebracht. Von dort sei die Buk alleine bis zu dem Feld gefahren, tags darauf sei sie in Snischne wieder aufgeladen und nach Russland gebracht worden. Auf Bildern ist auch zu sehen, dass Teile des Feldes gebrannt haben an dem Tag. Kurz darauf wurde der Ort offenbar umgepflügt, um Spuren zu verwischen. Russland hat erst vor Tagen auf Wunsch des Teams Radarbilder von dem Tag übermittelt, die nach Moskauer Ansicht gegen eine russische Schuld sprächen. Die Ermittler betonten, diese Bilder seien nicht entscheidend, ihre Erkenntnisse stützten sich auf eine sehr viel breitere Beweislage.