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Mexiko:Tödliche Untätigkeit

Jeden Tag werden zehn Frauen ermordet, aber die Politik greift nicht ein.

Mexikos Präsident Andrés Manuel López Obrador weiß sehr genau, was bei den Wählern ankommt. Gerne erzählt er in seiner morgendlichen Presserunde von Erfolgen im Kampf gegen Korruption oder von Erlösen aus der Versteigerung beschlagnahmter Luxuskarossen. Alles schön, alles gut, die Umfragewerte liegen bei mehr als 70 Prozent. Nun aber stößt seine populistische Politik an ihre Grenzen. Und das ist im wahrsten Sinne des Wortes tödlich.

Der bestialische Tod einer jungen Frau und die Entführung und Ermordung einer Siebenjährigen schockieren das Land. Die Empörung ist riesig, schließlich sind es keine Einzelfälle. Jeden Tag werden im Schnitt zehn Frauen in Mexiko ermordet. Proteste dagegen gibt es schon länger, doch die Politik tut kaum etwas. Der Präsident sieht in der Debatte stattdessen eine Medienverschwörung, um seine Regierung schlecht zu machen. Und die Schuld für die Gewalt an Frauen trage ohnehin der Neoliberalismus, sagt López Obrador.

Das ist respektlos gegenüber den Opfern und ihren Angehörigen, und auch gefährlich: Einmal für López Obradors geliebte Umfragewerte, vor allem aber für die Frauen selbst. Sie brauchen keine Ausreden und keine Ablenkungsmanöver, sondern konkrete Maßnahmen, allen voran eine rigorose Verfolgung und Verurteilung der Täter.

© SZ vom 19.02.2020
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