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Mexiko:Siegesfeier ohne Sieg

Präsident López Obrador versagt im Kampf gegen die Kartelle.

Von Christoph GURk

Er nennt sich El Marro, der Vorschlaghammer: Mexikanische Behörden haben am Sonntag José Antonio Yépez verhaftet, Chef des Kartells Santa Rosa de Lima und einer der meistgesuchten Verbrecher Mexikos. Behörden feierten, Präsident Andrés Manuel López Obrador lobte die Festnahme als großen Erfolg. Tatsächlich aber wird sie die Gewalt im Land nicht stoppen können, schlimmstenfalls reißt sie Mexiko dabei sogar noch schneller in den Abgrund. Denn was aussieht wie ein Sieg im Kampf gegen das organisierte Verbrechen, ist nur ein weiteres Zeichen dafür, wie planlos die Regierung von Andrés Manuel López Obrador gegen die Kartelle vorgeht.

Er hatte versprochen, die Mordrate im Land zu senken. Allein 2020 wurden aber fast 100 Menschen umgebracht - pro Tag. Anders als seine Vorgänger will López Obrador die Kartelle nicht nur mit Gewalt bekämpfen. Statt aber Programme aufzulegen, um verarmte Regionen zu fördern, hat der Präsident lieber den Sicherheitsapparat ausgebaut. López Obrador hatte dazu versprochen, nicht mehr nur Jagd auf Drogenbosse zu machen, sondern grundlegende Probleme zu bekämpfen.

Geschehen ist dagegen nichts. Dafür feiert der Präsident die Festnahme von El Marro, dem Vorschlaghammer. Dieser Spitzname würde auch zu dieser Politik passen.

© SZ vom 04.08.2020

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