Angesichts der Gewaltwelle in Mexiko nach der Tötung eines mächtigen Drogenbosses durch das Militär ruft Präsidentin Claudia Sheinbaum die Bevölkerung zur Ruhe auf. „Wir müssen informiert bleiben und Ruhe bewahren“, schrieb sie auf der Plattform X. Die Sicherheitskräfte waren in erhöhter Alarmbereitschaft. Bandenmitglieder setzten in mehreren Bundesstaaten Autos, Banken, Tankstellen und Läden in Brand.
Kartellchef Nemesio Oseguera Cervantes, auch bekannt als „El Mencho“, erlag am Sonntag nach einem Militäreinsatz zu seiner Festnahme im westlichen Bundesstaat Jalisco seinen Verletzungen. Der 59-Jährige war der Anführer des extrem gewalttätigen Drogenkartells Cártel de Jalisco Nueva Generación (CJNG; auf Deutsch „Jalisco-Kartell Neue Generation“).
In mehreren Bundesstaaten, darunter in Jalisco, Michoacán, Aguascalientes, Tamaulipas und Guanajuato, wurden Straßen mit brennenden Autos, Lastwagen und Bussen versperrt. Auch wurden Feuer in Apotheken und kleinen Einzelhandelsgeschäften gelegt. In der bei Touristen beliebten Stadt Puerto Vallarta an der Pazifikküste waren in Videos brennende Autos und große schwarze Rauchwolken zu sehen, die zwischen den Gebäuden aufstiegen.
Die Botschaft der USA sowie die diplomatischen Vertretungen anderer Länder forderten ihre Bürger in Mexiko zu erhöhter Wachsamkeit auf. Unter anderem wurde vor Gewalttaten in den beliebten karibischen Urlaubszielen Cancún, Cozumel und Tulum gewarnt. Aus Sicherheitsgründen strichen oder leiteten Fluggesellschaften Flüge um. Zwischenfälle gab es auch in der Stadt Guadalajara, die einer der drei mexikanischen Austragungsorte der Fußballweltmeisterschaft 2026 ist.
Bei dem Militäreinsatz gegen „El Mencho“ kamen nach Angaben des Sicherheitsministers mindestens 74 Menschen ums Leben, darunter auch 25 Beamte der Nationalgarde. Der Drogenboss wurde zunächst schwer verletzt und verstarb später, als er auf dem Luftweg nach Mexiko-Stadt transportiert wurde, hieß es in der offiziellen Mitteilung. Bei dem Einsatz in der Gemeinde Tapalpa im westlichen Bundesstaat Jalisco seien zudem zwei mutmaßliche Mitglieder des CJNG-Kartells festgenommen worden.
Die USA hatten eine Belohnung von 15 Millionen US-Dollar (rund 12,7 Millionen Euro) auf den 59 Jahre alten „El Mencho“ ausgesetzt. Washington reagierte auf die Nachricht seiner Tötung über den stellvertretenden US-Außenminister Christopher Landau. Einer der „blutigsten und rücksichtslosesten Drogenbosse“ sei getötet worden, schrieb er auf der X. „Das ist eine großartige Entwicklung für Mexiko, die USA, Lateinamerika und die ganze Welt. Die Guten sind stärker als die Bösen“.
Drogenboss hatte eine Vorliebe für Hahnenkämpfe
„El Mencho“ wurde am 17. Juli 1966 in Aguililla geboren, einer armen Gemeinde im westlichen Bundesstaat Michoacán. In der mexikanischen Unterwelt wurde er wegen seiner Vorliebe für Hahnenkämpfe der „Herr der Hähne“ genannt. Sein Spitzname, „El Mencho“, soll eine Ableitung seines Vornamens Nemesio sein. Zahlreiche Narco-Lieder, „narcocorridos“ genannt, feiern seine kriminellen Machenschaften.
Die US-Regierung hatte das extrem gewalttätige Drogenkartell von „El Mencho“ als ausländische Terrororganisation eingestuft. Das von ihm geführte Verbrechersyndikat ist nach Angaben der US-Behörden eine transnationale Organisation mit Verbindungen bis nach China und Australien. Neben dem Handel mit Fentanyl ist sie demnach auch in Erpressung, Schleusung von Migranten, Diebstahl von Öl und Mineralien sowie Waffenhandel verwickelt.

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Nach Angaben des US-Finanzministeriums ist Oseguera seit den 1990er-Jahren in den Drogenhandel verwickelt. 1994 wurde er in Sacramento im US-Bundesstaat Kalifornien wegen Heroinschmuggels verhaftet. Nach drei Jahren Gefängnis wurde er nach Mexiko abgeschoben – und heuerte im Bundesstaat Jalisco als Polizist an.
Später schloss er sich dem Milenio-Kartell an, eines der ersten mexikanischen Verbrechersyndikate, die mit synthetischen Drogen handelten. Er arbeitete dabei mit dem Sinaloa-Kartell des Drogenbosses Joaquín „El Chapo“ Guzmán zusammen. Später kam es zur Abspaltung und Gründung des CJNG-Kartells. Unter Osegueras Führung entwickelte es sich rasch zu einer der mächtigsten kriminellen Organisationen Mexikos.
Das „Unternehmen mit den vier Buchstaben“, wie das Kartell von seinen Mitgliedern genannt wird, verfügt über ein großes Waffenarsenal und gepanzerte Fahrzeuge. In Mexiko verübte es blutige Anschläge auf Sicherheitskräfte, hängte Leichen an Brücken auf und schoss einmal sogar einen Militärhubschrauber ab, wobei neun Menschen ums Leben kamen. Dem Kartell wird vorgeworfen, junge Menschen auch mit falschen Jobangeboten anzulocken, um sie zwangsweise zu rekrutieren.
„El Mencho“, der ein unauffälliges Leben führte, soll ein Milliardenvermögen besitzen und Geld mit Immobilien, Viehzucht und Musikgeschäften gewaschen haben. Regionale Musikgruppen haben Lieder über ihn komponiert. In den sozialen Netzwerken kursieren immer wieder mutmaßliche Propagandavideos des Kartells. Darin sind schwer bewaffnete Männer in Kampfuniformen zu sehen, die sich als „Leute von Señor Mencho“ bezeichnen.

