Eigentlich lief es gut für den Bundeskanzler. US-Präsident Donald Trump nannte Friedrich Merz einen Freund, in seinem Statement zu Beginn der Pressekonferenz im Oval Office konnte Merz sogar einen Satz zur Ukraine loswerden: Es gebe „too many bad guys in this world“, zu viele böse Jungs also, über die er mit Trump sprechen müsse.
Mein Kollege Daniel Brössler war im Oval Office dabei. „Merz wird überwältigt von einer, nun ja, Charme-Offensive des Präsidenten“, schreibt er. Dass die USA mit dem Angriff auf Iran Völkerrecht ziemlich eindeutig gebrochen haben, erwähnt Merz nicht. Als Trump gegen Spanien wütet, weil sie dem Fünf-Prozent-Ziel der Nato nicht nachkämen, verteidigt Merz die Verbündeten nicht. Auch bei einer Trump-Tirade gegen Großbritannien bleibt Merz still. „Vielleicht ist er dafür zu erleichtert“, schreibt Daniel.
Als Trump gefragt wird, was für ihn das Worst-Case-Szenario in Iran wäre, sagt er, ein Anführer, bei dem sich herausstelle, er sei so schlimm wie der letzte – also Ayatollah Chamenei.
Das glaubt ihm nicht jeder. Der Historiker Timothy Snyder wirft in einem Gastbeitrag für die SZ die Frage auf, wer von einem Regimewechsel in Iran profitieren könnte: Die Golfmonarchien haben Trump mit „riesigen Geschäftsabschlüssen überhäuft“, schreibt er, „und jetzt setzt die US-Regierung militärische Gewalt gegen einen gemeinsamen Feind der Länder ein“, stellt Snyder fest.
Die Golfmonarchien aber wurden stärker von Iran getroffen, als sie sich hatten vorstellen können, schreibt unser Korrespondent Bernd Dörries. Für sie bleibt das Dilemma: Sie wollen, dass der Krieg so schnell wie möglich endet, er bedroht ihr Geschäftsmodell. Doch das Regime in Teheran wollen sie auch loswerden.
Krieg im Nahen Osten
US-Militär: 17 Kriegsschiffe im Persischen Golf zerstört. In der Nacht wurde das US-Konsulat in Dubai offenbar von einer Drohne getroffen. US-Präsident Donald Trump hat den Schutz von Schiffen in der Straße von Hormus versprochen. Das US-Militär hat nach eigenen Angaben die iranische Marine im Persischen Golf vollständig zerstört. Zum Liveblog zum Krieg im Nahen Osten
Trump über Merz: Bundeskanzler sei „hilfreich“. Merz hat Bedenken bezüglich des US-Einsatzes in Iran. Beim Besuch im Weißen Haus kann er sie aber nicht deutlich machen. Stattdessen plädiert er für eine möglichst rasche Einigung in den Verhandlungen über ein EU-Handelsabkommen mit den USA. Zum Artikel
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Was heute wichtig ist
Wie Sachsen-Anhalt versucht, sich für einen AfD-Sieg zu wappnen. Eine ganz große Koalition von Linken bis CDU hat sich in Sachsen-Anhalt auf eine Parlamentsreform geeinigt, die die Institutionen des Landes vor einer möglichen AfD-Mehrheit nach der Landtagswahl schützen soll. Wichtigster Teil ist die bessere Absicherung des Landesverfassungsgerichts. Zum Artikel
Kulturstaatsminister Weimer schließt drei Buchläden vom Deutschen Buchhandlungspreis aus. Weil sein Amt über „verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse“ verfüge, hat Kulturstaatsminister Wolfram Weimer drei Buchläden von der Liste des Deutschen Buchhandlungspreises streichen lassen. Mithilfe des sogenannten „Haber-Erlasses“ kann er Künstler, die sich um Förderung bewerben, vom Verfassungsschutz überprüfen lassen. Das Vorgehen ist ungewöhnlich – und hochumstritten. Zum Artikel
SZ Digitalgipfel: Digitalminister Wildberger setzt Prioritäten. Auf dem SZ Digitalgipfel hat Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) die Projekte betont, die er auf Deutschlands Weg in die digitale Souveränität für am wichtigsten hält. Der „Deutschland-Stack“ beispielsweise soll das Betriebssystem der Verwaltung dieses Landes werden. Auch die digitale Brieftasche erwähnt Wildberger. Zum Artikel
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Dossier Digitalwende: Deutschlands digitale Verwundbarkeit. Beim SZ Digitalgipfel steht neben digitaler Souveränität die Cybersicherheit im Fokus. Immer mehr Angriffe treffen auf eine Wirtschaft, die ihre Verwundbarkeit lange unterschätzt hat. Auch wichtig: Spanien kristallisiert sich als nächster KI-Kooperationspartner heraus. Zum Briefing
Dossier Geoökonomie: Wie China daran arbeitet, den deutschen Mittelstand zu ersetzen. Mit dem 15. Fünfjahresplan geht China ab Donnerstag formal von der technologischen Aufholjagd in eine globale Führungsrolle über. Immer mehr deutsche Kernbranchen sind neuer Konkurrenz ausgesetzt – oder werden obsolet, indem China überkommene Technik überspringt. Eine Einordnung der Gewinner und Verlierer durch Pekings neuen Wirtschaftsplan. Zum Briefing
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, das US-Militär habe die gesamte iranische Flotte zerstört. Das ist falsch. Korrekt ist, dass das US-Militär 17 iranische Kriegsschiffe zerstört hat. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

