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Merkels Sieg bei der Bundestagswahl:Was nach Merkel kommt, steht in den Sternen

Keine Experimente. Deswegen haben die Wähler die FDP, der sie vor vier Jahren die Tür einrannten, diesmal gemieden. Sie haben diese Partei als unberechenbar und inkompetent erlebt. Die FDP hat vergessen, verlernt und verloren, wofür sie einmal da war. Ihre wirtschaftspolitische Kompetenz hat sich in formelhaftem Geschwätz aufgelöst; sie hat ihr einstiges Renommee auf dem Gebiet der Außenpolitik verloren; und sie hat getan, als sei die Bürgerrechtspolitik nur noch ein Reservat für Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Es funktioniert nichts mehr in der FDP. Die Union kann sich, wenn sie die braucht, andere Koalitionäre suchen.

Aber: Koalitionen sind nur so stabil wie die Parteien, die sie bilden. Alle Parteien außer der Union gehen, aus den unterschiedlichsten Gründen, instabil in diese neue Legislaturperiode. Die SPD muss sehen, wie und mit wem es weitergeht nach Steinbrück, der ein wackerer Spitzenkandidat des Übergangs war: mit Sigmar Gabriel - oder mit Olaf Scholz und Hannelore Kraft?

Die SPD hat sich von den Agenda-Turbulenzen der Schröder-Ära noch immer nicht erholt, sie befindet sich in einem Transformationsprozess hin zu Rot-Rot-Grün. Die Grünen haben am Wahlsonntag erfahren müssen, dass es für sie keine Blühgarantie gibt; auch ihnen zugeneigte Wähler sind nicht geneigt, alles mitzumachen. Die Grünen müssen ihre Kern- und ihre Kürthemen neu sortieren. Im Übrigen hat die Partei einen Generations- und Führungswechsel vor sich.

Bei Adenauer 1957 folgten dem Triumph Krisen, in denen der alte Herr nicht gut aussah. Die Wahl von 1961 hätte Adenauer dann fast verloren, er war nur noch Kanzler auf Zeit. Merkel wird das, weil sie klug ist, nicht passieren. Sie wird eine vierte Amtszeit nicht anstreben. Was nach ihr kommt, steht in den Sternen.

Die früher so starke Garde der CDU-Ministerpräsidenten existiert nicht mehr; derzeit besteht die CDU als Merkel plus fast Nichts; Das ist die Schattenseite ihres Triumphs. Das wird irgendwann die Chance der SPD.

© SZ vom 23.09.2013
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