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Merkel vs. Steinmeier:Das unvermeidliche Duell

Unbestritten: Ein TV-Duell kann bei Wählern wirken. Doch eine Debatte zwischen Merkel und Steinmeier erscheint so spannend wie der Probedurchgang eines Skispringens bei dichtem Schneefall.

Die Geschichte der Fernsehduelle in Deutschland beginnt mit einem Duell, das nicht zustande kam. 1969 forderte der SPD-Kanzlerkandidat und Außenminister der Großen Koalition, Willy Brandt, den CDU-Kanzler Kurt-Georg Kiesinger zu einem gemeinsamen Auftritt auf.

Ein Streitgespräch zwischen Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier erscheint so spannend, wie der Probedurchgang eines Neujahrs-Skispringens bei dichtem Schneefall.

(Foto: Foto: Getty)

Kiesinger lehnte ab. Selbst eine Runde mit den Spitzen der Bundestags-Parteien, derer es damals nur vier gab, wollte er zunächst nicht: "Es steht dem Kanzler der Bundesrepublik nicht gut an, sich auf ein Stühlchen zu setzen und zu warten, bis ihm das Wort erteilt wird", lautete seine Begründung.

Mittlerweile ist das Fernsehduell ein Ritual - wird 2009 aber erstmals wieder in Frage gestellt, weil ein Streitgespräch zwischen Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier so spannend erscheint wie der Probedurchgang eines Neujahrs-Skispringens bei dichtem Schneefall.

Im Kanzleramt hat man auch zur Kenntnis genommen, dass Kommentatoren ein Duell für überflüssig halten, in dem sich zwei Politiker beschimpfen, die vier Jahre gemeinsam regiert haben.

Mit diesem Argument könnte man freilich den Wahlkampf ganz abblasen. Und Steinmeier braucht ein Duell, um sich von Merkel abzugrenzen und jenen Teil der SPD-Regierungsarbeit hervorzuheben, den die Wählerschaft bislang nicht honorieren mag.

Dass Duelle bei den Wählern wirken können, ist unbestritten. In den USA, dem Mutterland des TV-Zweikampfes hatte 1960 Richard Nixon, schlecht rasiert, schwitzend und geschwächt von einer Krankheit, gegen John F. Kennedy das Fernsehduell verloren - und später auch die Präsidentschaftswahl. In Deutschland dauerte es nach Kiesingers Absage mehr als 30 Jahre bis zum ersten Duell.

Brandt, inzwischen Kanzler, verweigerte sich 1972 mit dem Argument, es gehe um eine Bundestags- und nicht um eine Kanzlerwahl. Erst Gerhard Schröder genehmigte sich 2002 mit Edmund Stoiber gleich zwei Auftritte, welche "die Wahl mit entschieden haben", wie die Medienwissenschaftler Marcus Maurer und Carsten Reinemann in einer Studie feststellten. 2005 holte Schröder Punkte mit einer Liebeserklärung an Ehefrau Doris, während Kandidatin Merkel in Erklärungsnot kam, weil sie ihr Schlusswort beim früheren US-Präsidenten Ronald Reagan abgekupfert hatte.

Auch für dieses Jahr hat Merkel Bereitschaft für ein Duell signalisiert. Steinmeier ist dabei, seine Sekundanten behalten sich sogar vor, noch ein zweites Streitgespräch zu fordern. Als Termin ist der 13. September vorgesehen. ARD, ZDF, RTL und Sat.1 sollen die Veranstaltung ausrichten und jeweils einen Moderator entsenden, wobei sich die ARD bislang nicht zwischen Anne Will und Frank Plasberg entscheiden kann.

Elefantenrunde mit Spitzenpolitikern

FDP, Grüne und Linke sollen eine eigene Sendung bekommen. Sogenannte Elefantenrunden mit Spitzenpolitikern aller Parteien sind auch geplant - ob daran aber auch Kanzlerin und Kandidat teilnehmen, ist offen. Gerhard Schröder schickte 2005 zunächst Wolfgang Clement in eine solche Runde, suchte die zweite aber persönlich auf - ein Fehler: Unruhig saß der Kanzler auf seinem Stühlchen und wartete, dass ihm das Wort erteilt wurde.

Etwas Würze erhält das Vorgeplänkel zum Duell 2009 durch eine Personalie: Vize-Regierungssprecher Thomas Steg, Sozialdemokrat seit Jahrzehnten und einst ein Schröder-Mann, wechselt für den Wahlkampf in das Steinmeier-Team. Damit wird er auch an den Duell-Verhandlungen mitwirken - und auf Ulrich Wilhelm treffen, seinen bisherigen Vorgesetzten im Bundespresseamt.