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Kanzlerin vor der Bundespressekonferenz:Dirigentin Merkel mag nur eine Melodie

Wenn es die Finanzkrise nicht gäbe, müsste Merkel sie erfinden. Die Kanzlerin gibt sich bei ihrer Sommerpressekonferenz als Dirigentin des Euro-Sinfonie-Orchesters. Um den profanen Rest - Zuschussrente, Endlager, Energiewende - sollen sich andere kümmern. Ihre Botschaft lautet: Sie bleibt Kanzlerin. Egal, wer mitregiert.

Hand hoch, Kameras klicken. Hand runter, Kameras verstummen. Hand rauf, klicken. Hand runter, Stille. Hand rauf, klicken. Hand runter ... - Gelächter im Saal der Bundespressekonferenz.

Da vorne sitzt Bundeskanzlerin Angela Merkel und dirigiert ein eigenwilliges Konzert der Fotoapparate. Mr. Bean oder auch Loriot hatten mit ähnlichen Nummern schon Lacherfolge. Die Symbolik des Bildes könnte Merkel gefallen. Die Kanzlerin als Dirigentin. Nur sieht sie sich lieber als Dirigentin des großen Euro-Sinfonie-Orchesters.

Der Euro ist das alles bestimmende Thema an diesem Morgen in der traditionellen Sommerpressekonferenz der Kanzlerin. Als die Kameras laut klicken, redet sie gerade über Wachstum. Warum es gut ist, dass Deutschland nicht noch mehr spart: Die Binnenkonjunktur soll nicht abgewürgt werden. Zu viel Sparen würde zu noch mehr Unwuchten im Euro-Raum führen. Die vom Kabinett beschlossene Senkung des Rentenbeitrags ist also in ihren Augen eine Art Konjunktur- und Euro-Rettungsprogramm zugleich.

Merkel spricht über die Euro-Krise, als hätte sie ihr Leben lang nichts anderes gemacht. Es geht um Zinssätze, geopolitische Herausforderungen, Geldpolitik, Schuldenbremse, Griechenlandhilfen, ESM, ESFS, Bankenaufsicht, Durchgriffsrechte, Rekapitalisierung. Wäre die Euro-Krise ein Ozean, Merkel würde darin schwimmen wie ein Fisch. Würde es die Euro-Krise nicht geben, Merkel müsste sie erfinden.

Alles andere tropft an ihr ab

Sie ist der Garant für Merkels Macht. Alles andere tropft an ihr ab. Die Pannen bei der Aufklärung der NSU-Verbrechen. Der Streit um die Zuschussrente ihrer einstigen Lieblingsministerin Ursula von der Leyen. Ihre Rolle als Umweltministerin in Sachen Endlager Gorleben. All diese Punkte sind Lappalien im Vergleich zu dieser Krise. Merkel macht es wie einst Helmut Kohl. Sie kümmert sich um Europa. Die anderen um den ganzen vermaledeiten Rest.

Manchmal wird sie nach solchen Lappalien gefragt. Nach der Zuschussrente etwa, ob das die Lösung für das Problem der Altersarmut sein kann. Merkel bügelt so etwas schnell ab. "Wir werden Ihnen mitteilen, wenn wir die Antwort haben." Warum gibt es noch kein Endlagergesetz? Weil sich Bund und Länder noch nicht einig seien. Warum geht es mit der Energiewende nicht voran? "Ich bin überzeugt, dass wir die Energiewende schaffen." Hält sie einen Angriff auf Iran auch für "nicht illegitim" wie ihr Verteidigungsminister Thomas de Maizière? "Der politische Spielraum ist nicht ausgeschöpft." Ansonsten will sie die Worte ihres Ministers "nicht kommentieren".