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Bundestagswahl 2013:Wer ist der beste Wahlkämpfer?

Merkel ist keine gute Wahlkämpferin, und das weiß sie auch. In dieser Hinsicht hatte sie stets Respekt für ihren Vorgänger Gerhard Schröder, der das Ding gegen Stoiber 2002 noch umbog und auch ihr 2005 beinahe noch die Kanzlerschaft vermasselt hätte. Der Einschlaf-Wahlkampf 2009 war auch dieser Selbsterkenntnis geschuldet. Merkels härtester Widersacher damals war allerdings nicht der Gegenkandidat Steinmeier, sondern Gabriel. Wie kein anderer prominenter Sozialdemokrat scherte sich der damalige Umweltminister in den letzten Wochen vor der Wahl nicht mehr um großkoalitionäre Loyalitäten. Stattdessen griff er die Kanzlerin und ihre damals noch auf Verlängerung der Laufzeiten zielende Atompolitik vehement an.

Der Respekt, den sich Gabriel damit in den eigenen Reihen verdiente, war später ein Stück des Teppichs, auf dem er zum Parteivorsitz lief. Die pointierte, bisweilen polemische Rede liegt dem SPD-Chef. Gegen ihn kann Merkel sich zwar am leichtesten als seriöse Krisenmanagerin mit Übersicht inszenieren. Von ihm aber hätte "Frau Kanzlerin", wie Gabriel gerne sagt, auch die härtesten Attacken zu erwarten. Die größte Portion Schröder, das weiß auch Merkel, steckt in Gabriel.

Das könnte für Steinmeier und Steinbrück zum Problem werden - auch dann, wenn Gabriel einem von beiden die Kandidatur überlässt. Steinmeier wäre nach vier weiteren Jahren Wandel vom Beamten zum Politiker und einem beachtlichen Zugewinn an Sympathiepunkten in den Umfragen ein gefährlicherer Herausforderer als 2009. Aber wenn er Kandidat wird, dürfte Merkel mit Interesse verfolgen, ob er diesmal auch einen echten Machtanspruch gegenüber dem Parteivorsitzenden formuliert. 2009, als Steinmeier nach dem Abgang von Kurt Beck Kandidat geworden war, sagte die Kanzlerin ihrem Herausforderer auf den Kopf zu, dass es ein Fehler von ihm gewesen sei, nicht auch den SPD-Vorsitz übernommen zu haben. Tatsächlich belasteten Differenzen zwischen dem neuen Parteichef Franz Müntefering und Steinmeier den SPD-Wahlkampf.

Auch Peer Steinbrück wäre für Merkel und ihr Image als Euro-Retterin wegen der besonderen Kompetenz des Ex-Finanzministers eine Herausforderung. Umfragen zufolge könnte Steinbrück auch im Lager der Union wildern, das weiß man auch im Kanzleramt. Schon seit den Tagen, in denen eine mögliche Kandidatur Steinbrücks erstmals ventiliert wurde, nimmt man dort allerdings auch an, dass ein Gutteil der Arbeit gegen diesen Herausforderer womöglich dessen eigene Partei erledigen würde. An dieser Einschätzung dürfte sich durch das wechselhafte Echo auf Steinbrück innerhalb der SPD wenig geändert haben. Die CDU-Vorsitzende kennt die Mechanismen einer großen Partei gut genug, um zumindest plausible Zweifel daran zu hegen, dass die SPD mit einem Individualisten wie Steinbrück glücklich würde - und umgekehrt.

Vor einigen Jahren hatte Merkel noch einen weiteren Sozialdemokraten mit auf der Rechnung, den sie aus den Konferenzen mit den Ministerpräsidenten kannte. Er soll sie bisweilen mit dem fröhlichen Ausruf begrüßt haben: "Ah, meine Kanzlerin!", anschließend aber auch bemerkenswert unnachgiebig verhandelt haben. Diese Kombination aus Charme und Hartleibigkeit hat Merkel damals an Berlins Regierendem Bürgermeister durchaus imponiert. Und da sie offenbar einen ähnlichen Machtwillen wie den ihren auch in Klaus Wowereit vermutete, zählte er für sie zu ihren möglichen Herausforderern.

Die Episode zeigt vor allem, dass auch Angela Merkel sich mal täuschen kann.