Angela Merkel:Telefonscherz mit Bundeskanzlerin a.D.

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Vor knapp drei Jahren sprachen sie sich noch persönlich: Kanzlerin Angela Merkel und der damalige ukrainische Präsident Petro Poroschenko im Frühjahr 2019 in Berlin. (Foto: Michael Kappeler/dpa)

Ein kremlnaher Anrufer gibt sich gegenüber der früheren Bundeskanzlerin als Petro Poroschenko aus, Ex-Präsident der Ukraine. Doch Merkel lässt sich nicht aufs Glatteis führen, auf eine Frage verweigert sie die Antwort.

Die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist nach Angaben der auf Desinformation spezialisierten russischen Trolle Wowan und Lexus auf ein inszeniertes Telefonat zum Ukraine-Konflikt reingefallen. Die kremlnahen Interviewer veröffentlichten am Montag Auszüge daraus. Merkels Büro in Berlin bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass es ein Telefongespräch gab. "Ich kann ein Telefonat mit einem Anrufer bestätigen, der sich als der frühere (ukrainische) Präsident Petro Poroschenko ausgegeben hatte", teilte eine Sprecherin Merkels auf Anfrage der dpa mit.

Die Russen mit den Künstlernamen Wowan und Lexus legten mehrfach schon Prominente herein, indem sie sich mit falschem Namen ausgaben. Merkel sagt in den veröffentlichten Ausschnitten nichts Sensationelles oder Neues, sondern spricht sich für eine Geschlossenheit des Westens im Konflikt mit Russland aus. Sie betont auch, dass der Inhalt des Telefonats nichts für die Öffentlichkeit sei. "Ansonsten ist mein Plädoyer, dass wir unseren Regierungen vertrauen. Nur sie machen die Politik", sagte die CDU-Politikerin. Damit erinnerte sie den vermeintlichen Poroschenko auch daran, dass er die Wahl 2019 gegen den jetzigen Präsidenten Wolodimir Selenskij verloren hatte. "Wenn man nicht gewählt ist, muss man sich in solchen schwierigen Zeiten möglichst zurückhalten."

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Merkel sagte dann noch, dass sie ihrem Gesprächspartner "von Herzen alles Gute" wünsche. Klar wird am Ende, dass Merkel einzelne Fragen unangenehm sind - etwa nach ihrer Rente, die sie nicht beantwortet. Auf die Frage, ob sie nicht auch Russisch sprechen könne, antwortete sie: "Mein Russisch ist noch schlechter als 2014." Merkel hatte damals mit Poroschenko, Frankreichs Präsident François Hollande und Kremlchef Wladimir Putin die Minsker Vereinbarungen für eine Beilegung des Konflikts in der Ukraine unterschrieben. "Das Telefonat fand am 12. Januar 2023 statt, unterstützt mit deutsch-ukrainischer Übersetzung des Sprachendienstes des Auswärtigen Amtes", heißt es in einer Stellungnahme von Merkels Büro. "Die Bundeskanzlerin a. D. informierte das Auswärtige Amt anschließend über den Eindruck, den sie von dem Anrufer während des Telefonats gewonnen hatte." Merkel hatte in ihrer Amtszeit häufig mit Poroschenko zu tun. Der heute 57-Jährige war von 2014 bis 2019 im Amt.

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