bedeckt München 17°
vgwortpixel

Angela Merkel:Empfang im Sitzen

  • Kanzlerin Merkel hat beim Empfang der dänischen Ministerpräsidentin Frederiksen entgegen den protokollarischen Gepflogenheiten die Nationalhymnen zusammen mit ihrem Gast im Sitzen angehört.
  • Hintergrund ist offenbar der Zitteranfall, den die Kanzlerin am Mittwoch bei den militärischen Ehren für den finnischen Ministerpräsidenten Rinne hatte.
  • Bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Frederiksen betont die Kanzlerin, dass sie "der Verantwortung des Amtes" gemäß "sowie auch als Mensch" auf ihre Gesundheit achte.

Nach mehreren Zitteranfällen bei der Begrüßung ausländischer Gäste hat Bundeskanzlerin Angela Merkel das Zeremoniell am Donnerstag teilweise im Sitzen absolviert. Sie und die neue dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen saßen beim Abspielen der Nationalhymnen auf Stühlen mit weißem Stoffbezug vor dem Kanzleramt. Die Stühle standen auf einem kleinen Podest, von dem aus die Kanzlerin und ihr jeweiliger Gast die Nationalhymnen normalerweise im Stehen anhören.

Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz nach ihrem Vier-Augen-Gespräch beantworteten die Kanzlerin und ihr Gast einige Fragen nach Merkels Gesundheit. Die Kanzlerin erklärte aber nicht, ob sie medizinisch durchgecheckt wurde oder was es mit den Stühlen auf sich hatte. "Sie dürfen davon ausgehen, dass ich erstens um die Verantwortung meines Amtes weiß und deshalb auch dementsprechend danach handle", betonte Merkel. Zweitens sei ihre eigene Gesundheit etwas, woran sie "auch als Mensch ein großes Interesse habe". Frederiksen beschrieb Merkel als "genauso stark und kompetent" wie immer.

Erstmals hatte die Kanzlerin Mitte Juni gezittert

Bei einem ähnlichen Anlass hatte Merkel zuletzt am Mittwoch einen Zitteranfall erlitten, als sie den finnischen Regierungschefs Antti Rinne mit militärischen Ehren empfing.

Erstmals hatte die Kanzlerin Mitte Juni beim Empfang des neuen ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij heftig gezittert. Wenige Tage später erlitt sie bei der Ernennung der neuen Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Schloss Bellevue erneut einen solchen Anfall.

Nach allen drei Anfällen beschwichtigte die Kanzlerin Journalisten, die nach ihrem Gesundheitszustand fragten. Der Vorfall beim Empfang Selenskijs wurde von Merkel mit der großen Hitze und Wassermangel erklärt. Beim zweiten und dritten Mal wurde als Grund ein psychologisches Problem genannt: Die 64-Jährige habe so sehr daran gedacht, dass sie ein erneutes Zittern vermeiden wolle, dass genau dies eingetreten sei - "also ein psychologisch-verarbeitender Prozess", so ein Regierungssprecher.

Bundesregierung Irgendwann kann nur noch ein Gesundheitscheck die Sorgen auflösen

Zitternde Kanzlerin

Irgendwann kann nur noch ein Gesundheitscheck die Sorgen auflösen

Merkel wiegelt ab, es gebe keine Probleme, sie sei "gut leistungsfähig". Doch das reicht irgendwann nicht mehr zur Beruhigung.   Kommentar von Stefan Braun