Interview bei Anne Will:Merkel steckt in einem Dilemma

Lesezeit: 2 min

Angela Merkel Flüchtlingskrise

Angela Merkel verteidigt ihren Kurs in der Flüchtlingspolitik.

(Foto: AFP)

Die Bundeskanzlerin verteidigt bei Anne Will leidenschaftlich ihre Asylpolitik. Doch der Auftritt offenbart auch, wie ohnmächtig die Kanzlerin in der Flüchtlingskrise ist.

Kommentar von Robert Roßmann

So eine Regierungserklärung hat Deutschland schon lange nicht mehr gesehen. Normalerweise begründen Kanzler ihre Politik im Bundestag. Die meisten Bürger bekommen davon bestenfalls die Schnipsel mit, die die "Tagesschau" zeigt. Wenn der Erklärungsbedarf besonders groß ist, treibt es die Kanzler deshalb direkt ins Fernsehen. Es sind seltene Augenblicke, in denen man beobachten kann, wie Regierungschefs versuchen, sich aus der Defensive zu befreien.

Vier Jahre nach ihrem Auftritt bei Günther Jauch zur Euro-Krise kam Angela Merkel jetzt zu Anne Will, um die Flüchtlingspolitik zu rechtfertigen. Zumindest was die Größe des Publikums angeht, war der Auftritt ein Erfolg: Fast 3,5 Millionen Bürger verfolgten die Talkshow. Doch viel bewegt hat die Kanzlerin damit noch nicht.

Vor den Seehofers dieses Landes wich sie keinen Zentimeter zurück

Wer Merkels Flüchtlingspolitik schon vorher sympathisch fand, war begeistert von der Geradlinigkeit, mit der die Kanzlerin ihren Kurs verteidigte. Sie wich vor den Seehofers dieses Landes keinen Zentimeter zurück. Im Gegenteil: Sie untermauerte ihre Position mit einer Leidenschaft, die sie ansonsten vortrefflich zu verbergen weiß. Zäune würden das Problem nicht lösen, erklärte die Kanzlerin apodiktisch. Auch einen Aufnahmestopp könne es nicht geben. Jeder Mensch müsse als Mensch behandelt werden.

Und dann bekräftigte Merkel auch noch ihre Erklärung, Deutschland sei nicht ihr Land, wenn man sich dafür entschuldigen müsse, Flüchtlingen freundlich gegenüberzutreten. Diesen Satz habe sie "aus dem Herzen gesprochen", sagte die Kanzlerin. Die Botschaft der Pastorentochter war eindeutig: Hier stehe ich, ich kann nicht anders.

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