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Griechische Insel Lesbos:Merkel: Nehmen nach Brand in Moria minderjährige Geflüchtete auf

Kanzlerin Merkel besucht Frankreichs Präsident Macron

Kanzlerin Merkel mit Frankreichs Präsident Macron in Bormes-Les-Mimosas

(Foto: dpa)

Darum habe sie der griechische Regierungschef gebeten, sagt die Bundeskanzlerin. Berichten zufolge hat sie mit Frankreichs Präsident Macron vereinbart, etwa 400 unbegleitete Kinder und Jugendliche auf mehrere EU-Länder zu verteilen.

Nach dem verheerenden Brand im griechischen Flüchtlingslager Moria wollen Deutschland und Frankreich wenn möglich gemeinsam mit anderen EU-Staaten minderjährige Geflüchtete aufnehmen. Darum habe sie der griechische Regierungschef Kyriakos Mitsotakis gebeten, sagte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Donnerstag bei einer Diskussion in der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin. Deutschland und Frankreich seien dazu im Gespräch; sie hoffe, dass auch andere Länder bereit seien, so Merkel.

Zuvor hatten verschiedene Agenturen gemeldet, dass Merkel und der französische Präsident Emmanuel Macron die Aufnahme von 400 unbegleiteten Minderjährigen gewährleisten wollen. Die Zahl sollte nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vom Donnerstag für alle teilnehmenden Länder gelten. Wie viele der Flüchtlinge davon Deutschland übernehmen würde, stehe noch nicht fest, hieß es weiter.

Macron hatte zuvor erklärt, Frankreich plane gemeinsam mit Deutschland einen Vorschlag, um Flüchtlinge nach dem Brand in Moria aufzunehmen. Es sollten auch andere europäische Partner gewonnen werden: "Wir müssen mit Griechenland solidarisch sein", sagte er auf der französischen Mittelmeerinsel Korsika. Es gehe nun um eine "gute Antwort der Solidarität" an Griechenland.

In der Nacht zu Mittwoch hatte es im Flüchtlingslager Moria auf der Insel Lesbos mehrere Brände gegeben. Das Lager ist auf 2800 Bewohner ausgelegt, zuletzt lebten mehr als 12 000 Geflüchtete dort.

Die griechische Regierung sagte am Donnerstag ohne Verweis auf Beweise, Flüchtlinge seien für die Brände verantwortlich. Sie hat einer schnellen Verlegung weiterer Flüchtlinge nach dem Großfeuer eine Absage erteilt. Zugleich wurden bis Donnerstag schon 400 Minderjährige, die ohne Begleitung ihrer Eltern unterwegs sind, von der Insel Lesbos in die Hafenstadt Thessaloniki geflogen. Der stellvertretende Migrationsminister Giorgos Koumoutsakos schloss aber aus, dass auch erwachsene Geflüchtete die Insel verlassen dürfen. Im Nachrichtensender Skai sagte er: "Wer denkt, er könne zum Festland und dann nach Deutschland reisen, der soll es vergessen."

Über die Frage, ob Deutschland notfalls auch im Alleingang und ohne Beteiligung anderer EU-Staaten mehr Migranten von den griechischen Inseln aufnehmen könnte, wurde in Berlin seit Mittwoch gestritten. Die Bundesregierung hatte betont, auf Hilfe vor Ort zu setzen und sich mit Griechenland und den EU-Partnern abzustimmen. Auch aus der Union waren aber Stimmen laut geworden, die mehr Aufnahmen forderten - beispielsweise vom griechischen Festland, um die Lage zu entspannen. Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) fordert, dass Deutschland vorangehen und 2000 Migranten aufnehmen soll.

© SZ/dpa/odg/jsa/mane
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