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Kanzlerin in Japan:Merkel besucht einen Leidensgenossen

Bundeskanzlerin Merkel in Japan

Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe begrüßt Bundeskanzlerin Angela Merkel am Montag in Tokio.

(Foto: Kay Nietfeld/dpa)
  • Der Besuch von Bundeskanzlerin Merkel in Japan darf als politisches Zeichen verstanden werden.
  • Sowohl in Berlin als auch in Tokio wird so etwas wie eine Schicksalsgemeinschaft beschworen - auch was den Umgang mit Donald Trump angeht.
  • In Tokio wird Merkel mit allen Ehren empfangen, einschließlich eines Treffens mit Kaiser Akihito.

Von Daniel Brössler, Berlin

Wenn die Bundeskanzlerin an diesem Montag in Tokio landet, ist die wichtigste Botschaft schon da. Seit Freitag ist das Freihandelsabkommen zwischen Japan und der Europäischen Union in Kraft, gepriesen von EU-Kommission und Bundesregierung als Symbol des "offenen und fairen Handels" und als "deutliches Zeichen gegen Protektionismus". Das Abkommen soll einen Kontrapunkt setzen zum handelspolititischen Nationalismus Donald Trumps.

Das Strategische Partnerschaftsabkommen zwischen der EU und Japan beseitigt Handelsbarrieren in einem Raum mit 635 Millionen Menschen, die zusammen ein Drittel des Bruttoinlandsproduktes der Welt erwirtschaften. Innerhalb der EU ist der Hauptnutznießer Deutschland. Angela Merkel wolle, so heißt es aus Regierungskreisen in Berlin, mit ihrem zweitägigen Besuch ein "starkes Signal dafür setzen, dass wir mit Japan auch unter den schwieriger gewordenen weltpolitischen Rahmenbedingungen eine enge und belastbare Partnerschaft sehen".

Eine Wirtschaftsdelegation wird Merkel begleiten. Aber auch die Sicherheitspolitik soll Thema sein

Das Interesse daran ist beiderseitig. Sowohl Deutschland als auch Japan wollen trotz der großen geografischen Distanz weltpolitische Nähe demonstrieren. In Tokio wird Merkel mit allen Ehren empfangen, einschließlich eines Treffens mit Kaiser Akihito, der am 30. April abdankt, und danach auch mit Kronprinz Naruhito. Sowohl in Berlin als auch in Tokio wird so etwas wie eine Schicksalsgemeinschaft beschworen, auch weil ganz ähnliche Probleme zu meistern sind wie etwa die Alterung der Gesellschaft. Beide Länder teilten "grundlegende politische Überzeugungen", heißt es in Berliner Regierungskreisen. Sie träten ein für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Multilateralismus und freien Handel.

Außenminister Heiko Maas zählt Japan gerne zu seiner "Allianz der Multilateralisten". Es ist ein Begriff, den sich die Kanzlerin vielleicht nicht zu eigen macht, aber auch sie sieht im japanischen Ministerpräsidenten Shinzō Abe einen wichtigen Verbündeten gegen die Internationale der Nationalisten und wohl auch einen Leidensgenossen im Umgang mit Donald Trump. Dem Japaner scheint es allerdings besser zu glücken, Trump bei Laune zu halten. Gelegentlich spielt man zusammen Golf. Vielleicht noch mehr als Deutschland ist Japan darauf angewiesen, dass die USA ungeachtet unfreundlicher Töne aus dem Weißen Haus zu ihren Verpflichtungen als Verbündeter stehen.

Zentrale Themen bei Merkels Gesprächen dürften auch das nordkoreanische Atom- und Raketenprogramm und das aggressiver werdende Gebaren Chinas sein, das mit seiner neuen Seidenstraße um globalen Einfluss ringt. Japan setzt dem sein Konzept eines "freien und offenen Indo-Pazifiks" entgegen und sucht Partner für sein Engagement in Afrika. Überdies wird in Japan aufmerksam die stärker werdende militärische Rolle der EU und der Aufbau eines Europäischen Verteidigungsfonds für Rüstungsprojekte registriert. "Auf japanischer Seite gibt es ein Interesse, sicherheitspolitisch stärker zusammenzuarbeiten", meint Janka Oertel, Asienexpertin des German Marshall Funds.

Begleitet wird Merkel von einer zwölfköpfigen Wirtschaftsdelegation mit Unternehmensvertretern, etwa aus der IT-Branche. In Tokio will sie sich bei der Firma NEC ein Labor für künstliche Intelligenz anschauen und eine deutsch-japanische Wirtschaftskonferenz besuchen. Der Handel zwischen Deutschland und Japan hat zuletzt deutlich zugenommen. Das Volumen stieg von 37,2 Milliarden Euro im Jahr 2015 auf 42,5 Milliarden Euro 2017. Japan ist zweitgrößter Handelspartner Deutschlands in Asien, Deutschland wichtigster Handelspartner Japans in der Europäischen Union.

© SZ vom 04.02.2019/fued
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