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Merkel in Afrika:Jeder kleine Schritt zählt

Bundeskanzlerin Merkel in Angola

Kanzlerin Merkel mit Angolas Präsident João Lourenço.

(Foto: Kay Nietfeld/dpa)

Die Kanzlerin beendet ihre Reise in Angola, das jüngst durch die Luanda Leaks erschüttert wurde. Der Kampf gegen die Korruption ist mühsam, aber Deutschland will dabei helfen.

Man wird ja wohl mal träumen dürfen, denkt man, als der Präsident von Angola nicht aufhört aufzuzählen, was die Bundesrepublik seinem Land alles Gutes tun kann. Stahl kann man gut gebrauchen, Volkswagen will ja ein neues Werk bauen, die Landwirtschaft, Bildung, und, ja, der Tourismus. Im Nachbarland Namibia seien die Deutschen "sehr präsent", das würde er sich auch für Angola wünschen. Es ist Freitag am frühen Nachmittag in Angolas Hauptstadt Luanda, und João Lourenço hat gerade mit Kanzlerin Angela Merkel eine Stunde lang darüber gesprochen, wie man enger zusammenarbeiten könnte. Und da ist, das wird schnell klar, praktisch jede Art von Unterstützung willkommen. Merkel nickt bei der Aufzählung freundlich und sagt, Deutschland werde dazu beitragen, "dass die Entwicklung so voranschreitet, wie Sie sich das wünschen".

Die Kanzlerin nimmt sich für den zweiten Angola-Besuch ihrer Amtszeit einen knappen Tag Zeit. Das erste Mal war sie vor neun Jahren zu Gast in diesem rohstoffreichen Land. Dass danach kaum deutsche Unternehmen ins Land gekommen sind, obwohl es praktisch alles von der Elektrifizierung bis zur Bildung aufzubauen gibt, liegt auch daran, dass Angola in einem Netz von Korruption gefangen war, das bis in den Präsidentenpalast reichte. Isabel dos Santos, die Tochter des langjährigen Präsidenten José Eduardo dos Santos, wurde über ein enges Geflecht von Beteiligungen zur Milliardärin und reichsten Bürgerin des Landes. Wenn aber Anwälte, Firmenchefs und Beamte gleichermaßen korrupt sind, wie die Enthüllungen der Luanda Leaks belegen, wie sollen dann internationale Firmen Vertrauen fassen - und investieren? Präsident Lourenço beteuert, er habe der Korruption den Kampf angesagt. Die Vermögenswerte von Isabel dos Santos seien in Angola eingefroren worden; er bemühe sich, alle in internationalen Beteiligungen geparkten Werte wieder ins Land zu holen. Wieder nickt Merkel, sie hat auch in anderen Ländern Afrikas gesehen, wie langsam es geht, die alten, korrupten Netzwerke aufzulösen. Es sei "ganz, ganz wichtig, auch mit Blick auf zukünftige Investoren", dass es vorangehe mit den Beziehungen.

Deutsche Unternehmen schließen Verträge von 1,06 Milliarden Dollar ab

Schon bei der Ankunft fällt auf, wie gegensätzlich das Land ist. Entlang der Küstenlinie stehen die Öltanker praktisch Schlange, warten darauf, betankt zu werden. Angola lebt vom Öl. Die Dimension der Abhängigkeit wird klar, wenn man sich die Lieferungen nach China anschaut. Sie haben einen Wert von 22 Milliarden US-Dollar; insgesamt beträgt das Handelsvolumen mit der Volksrepublik 24 Milliarden US-Dollar. Der Weg vom Flughafen zum Präsidentenpalast führt aber auch vorbei an Wellblechhütten und halb fertigen Häusern.

In Luanda freut sich der Präsident am Freitag, dass er mit deutschen Unternehmen einige Abkommen im Wert von 1,06 Milliarden Dollar abschließen kann. Verglichen mit China erscheinen die Verträge wie die sprichwörtlichen Peanuts. Optimistisch gesehen können sie aber auch ein Signal der Hoffnung sein, dass es mit dem seit gut zwei Jahren im Amt befindlichen neuen Präsidenten Lourenço besser vorangehen könnte mit der Zusammenarbeit. Und auch damit, dass das Land die Erlöse aus dem Öl tatsächlich nutzt für nachhaltige Investitionen.

Die deutschen Investitionen jedenfalls könnten dazu beitragen. Eine Firma hilft beim Bau eines Wasserkraftwerks. Ein Konsortium baut Straßen mit in die Nachbarländer Namibia, Botswana, Sambia und Simbabwe. Die angolanische Staatsbank soll ein Cash-Center bekommen und die Hauptstadt Luanda eine Straßenbahn. Und ganz besonders freut sich der Präsident über ein Geschenk: Ein erfahrener Wasserkraftwerksbauer will ein Trainingszentrum errichten, wo Angolaner ausgebildet werden, um selbst Wasserkraftwerke betreiben zu können.

Angola ist die zweite und letzte Station von Merkels Afrikareise. Die Kanzlerin tut, was sie kann, um den Präsidenten zu ermutigen, so weiterzumachen wie bisher. Sei es, dass die Presse frei berichten darf oder staatliche Geldströme transparent gemacht werden. Merkels Signal ist: Jeder kleine Schritt zählt.

© SZ vom 08.02.2020
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