Fulbright-Preis für Angela Merkel In einer Reihe mit Carter, Havel und Mandela

Angela Merkel bei ihrer Rede zur Verleihung des Fulbright-Preises.

(Foto: dpa)

Die Kanzlerin wird für ihr Engagement für den Frieden mit dem Fulbright-Preis ausgezeichnet. Auch einer ihrer schärfsten Kritiker, US Botschafter Grenell, wohnt der Verleihung bei.

Von Cerstin Gammelin, Berlin

Es ist mir eine große Freude, es ist mir eine große Ehre. Solche Worte kennt man von Angela Merkel, ganz ähnlich beendete sie ihre letzte Rede als CDU-Vorsitzende im Dezember beim Parteitag in Hamburg. Am Montagabend waren die Worte wieder zu hören. Dieses Mal als Dank dafür, in einem Atemzug mit Nelson Mandela als Freiheitskämpferin genannt zu werden.

Merkel sagte sie nach einer fulminanten Rede, in der sie über Europa liebevoll scherzte, die transatlantischen Beziehungen beschwor und zur Verantwortung aufrief. "Globalisierung, Digitalisierung, Klimawandel sind menschengemacht. Kriege und Krisen auch. Wir sollten also alles Menschenmögliche unternehmen, die Herausforderungen anzugehen", sagte Merkel. Patriotismus heiße, eigene Interessen mit anderen Interessen zu denken. Doch der Reihe nach.

So richtig naheliegend ist der Gedanke ja erst einmal nicht, dass Angela Merkel in einem Atemzug mit Persönlichkeiten wie Bill und Melinda Gates, Václav Havel, Jimmy Carter oder eben Nelson Mandela genannt wird. Die Kanzlerin hat das Ende ihrer Amtszeit vor Augen, den CDU-Vorsitz aufgegeben, als Reaktion auf die schlechten Ergebnisse ihrer Partei in mehreren Landtagswahlen. Aber bekanntlich ist der Blick von außen auf die Dinge ja ein weiterer als der von innen.

Am Montagabend in Berlin jedenfalls ließ die renommierte US-amerikanische Fulbright-Stiftung Angela Merkel eine besondere Ehre zuteil werden. Sie zeichnete die Kanzlerin mit dem Fulbright-Preis 2018 aus. Merkel wird gefeiert als erste Frau an der Spitze einer deutschen Regierung, noch dazu erste Ostdeutsche. Als Physikerin, als Demokratin, als aufrechte Kriegerin für Freiheit und Menschenrechte. Sie zähle zu den mächtigsten Führungspersönlichkeit weltweit, sie sei mit ihrem herausragenden Engagement für gegenseitiges Verständnis, internationale Zusammenarbeit und Frieden für "hunderte Millionen Frauen und Männer" eine Quelle der Inspiration, sagt Christiane Amanpour, Laudatorin und CNN-Auslandschefin.

Merkel hängt nun in der Ahnengalerie weltweiter Friedensaktivisten

Wie wichtig der Stiftung die Ehrung war, lässt die Ausnahme erahnen, die sie für Merkel gemacht hat. Es war das erste Mal in der 25jährigen Geschichte, dass die Stiftung den Preis, der mit 50000 US-Dollar dotiert ist, außerhalb der USA verliehen hat. Rein theoretisch wäre es wohl möglich gewesen, das in der US-Botschaft am Brandenburger Tor in Berlin zu tun, und damit mithin auf amerikanischem Boden.

Es wäre interessant gewesen zu sehen, wie US-Botschafter Richard Grenell womöglich einen Gruß seines Chefs Donald Trump überbracht hätte. Tatsächlich erhielt Merkel den Preis keine hundert Meter entfernt, in einem festlich geschmückten Kongresszentrum. Man hat den Eindruck, in einem Paralleluniversum zu sein. Merkel erhielt einen Preis, der sie im Grunde genommen wegen des Engagements gegen das Trumpsche Gedankengut ehrt. Aber, immerhin, Grenell ist an ihrer Seite.

Schon eine halbe Stunde vor Beginn ist der Saal überfüllt, die internationale Community hat sich versammelt. Die Feierstunde beginnt mit einigen Minuten Jazz, Trompete und Cello, es sind Minuten zum Innehalten. Man erinnert sich an die Zeit vor gut zwei Jahren, als Trump gerade die US-Wahlen gewonnen hatte mit einer klaren Absage an liberale, freiheitliche Werte. Die Briten hatten zuvor mit einer Mehrheit von 52 Prozent für den Austritt aus der Europäischen Union votiert. In Frankreich lief der Wahlkampf für die Präsidentschaftswahl mit starken rechten Populisten. Dass Emmanuel Macron gewinnen würde, war nicht abzusehen.

Der scheidende US-Präsident Barack Obama nahm sich deshalb im November 2016 ein paar Tage Zeit, um Merkel zu überzeugen, bei den bevorstehenden Bundestagswahlen im September 2017 noch einmal anzutreten. Er beschwor sie als die verbliebene Führerin der freien westlichen Welt, weiter an der Spitze zubleiben - trotz der damals schon heftigen Kritik an ihrem Beschluss, die Grenzen 2015 für Flüchtlinge offengelassen zu haben. Merkel ließ sich von Obama überzeugen. Dass sie nun den Fulbright-Preis bekommt, würdigt auch diese Entscheidung. Sie hatte den Mut, sie hereinzulassen, sagt Amanpour.

Nach der Musik gibt's stehenden Applaus, als die Kanzlerin reinkommt, sich in die erste Reihe setzt, das Blitzgewitter hört nicht auf. Das könne jetzt dauern, sagt Manfred Philipp, Chef des Aufsichtsrates der Stiftung. Nach einem Film und diversen Gruß- und Dankesworten redet Merkel. Das heißt, bevor sie das kann, gibt es wieder langen, stehenden Applaus. Die Wertschätzung ist unübersehbar, unüberhörbar. "Ds ist ein bewegender Moment", sagt die disziplinierte Kanzlerin dann - und man mag es ihr glauben.

Der William-Fulbright-Preis für internationale Verständigung ehrt eines der weltweit renommiertesten internationalen Austauschprogramme sowie das Vermächtnis des Gründers, des verstorbenen US-Senators J. William Fulbright. Er wird seit 1993 an Personen vergeben, die sich besonders für die Förderung des Friedens durch mehr Völkerverständigung engagiert haben.

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