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Merkel:Europäische Mathematik

Die Kanzlerin und ihre Regierung betreiben einen großen finanziellen Aufwand, um die Europäische Union nach der Corona-Krise zu erhalten. Denn sie weiß, wie sehr Deutschland auf die EU angewiesen ist.

Von Nico Fried

Bei Reden über Europa wünschte man sich, Angela Merkel (CDU) und Martin Schulz (SPD) könnten befristet verschmolzen werden. Die Kanzlerin hat in ihrer Regierungserklärung beschrieben, was in der deutschen EU-Präsidentschaft zu leisten ist, und an diesem Katalog ist nichts auszusetzen. Sie hat dabei angemahnt, mehr Stolz auf Europa zu formulieren, um es Gegnern nicht zu leicht zu machen. Sie versucht das stets in pathetischen Begriffen - aber Schulz vermag das wie kein anderer in emotionalen Bildern auszudrücken.

Die Voraussetzungen der deutschen Präsidentschaft haben sich durch Corona völlig verändert. Wichtigste Aufgabe ist es nun eigentlich, die EU überhaupt zu erhalten. Der finanzielle Aufwand, den die Bundesregierung dafür betreibt, ist beträchtlich. Damit folgt Merkel ihrer nahezu mathematischen Überlegung, dass Deutschland wirtschaftlich auf Europa angewiesen ist - und umgekehrt.

Deutlicher als bisher hat sie nun auch für die Corona-Pandemie den schon in früheren Krisen formulierten Anspruch erkennen lassen, man solle besser herauskommen, als man hineingegangen ist. So soll wirtschaftliche Erholung mit mehr Klimaschutz und Digitalisierung einhergehen. Daran, dass sich Deutschland zu wenig vornimmt, wird die Präsidentschaft mithin nicht scheitern.

© SZ vom 19.06.2020

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