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Merkel besucht USA:Die Merkel-Trump-Beziehung - Was bisher gesagt wurde

Zwei, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Donald Trump, der "Meister des Deals", und Angela Merkel, die kühle Pragmatikerin.

(Foto: AP/AFP)

Wenn die deutsche Kanzlerin auf den US-Präsidenten trifft, stehen sich Welten gegenüber. Was sich Merkel und Trump bisher zu sagen hatten - eine Chronologie der deutsch-amerikanischen Beziehung.

Es ist die Begegnung zweier Spitzenpolitiker mit denkbar verschiedenen Temperamenten: Merkel trifft Trump. Die kühle Vernunftpolitikerin trifft den impulsiven Deal-Maker.

Während des US-Wahlkampfs wetterte er wild gegen die Kanzlerin und ihre Flüchtlingspolitik, dazwischen fielen einige Worte des Respekts. Sie dagegen schwieg lange und verlor kein Wort über ihn. Ein Blick auf das über- und miteinander Sprechen zwischen Merkel und Trump in den vergangenen Monaten.

Sie über ihn:

Am 9. November, einen Tag nach seinem Wahlsieg adressiert Merkel Trump zum ersten Mal öffentlich. Sie gratuliert ihm und erinnert ihn im nächsten Atemzug, die demokratischen Grundwerte zu beachten, nämlich "Demokratie, Freiheit, den Respekt vor dem Recht und der Würde des Menschen unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung oder politischer Einstellung". Auf Basis dieser Werte biete sie ihm eine "enge Zusammenarbeit" an - Kooperation unter Vorbehalt, ohne Beispiel im deutsch-amerikanischen Verhältnis der vergangenen Jahrzehnte.

Auf die Frage, wie sie sich die Zusammenarbeit mit Trump konkret vorstelle, wollte Merkel bis zu seiner Amtseinführung keine Antwort geben. Am 16. Januar sagte sie: "Ich persönlich warte jetzt erst einmal auf die Amtseinführung des amerikanischen Präsidenten." Das gehöre sich so. "Dann werden wir auf allen Ebenen mit ihm zusammenarbeiten." Dann werde auch klar, "welche Art von Übereinkommen wir erzielen können".

Zu seiner Politik äußert sich die Kanzlerin nur ein einziges Mal, am 29. Januar 2017. Anlass ist Trumps Dekret zum Einreiseverbot gegen Flüchtlinge und Bürger sieben muslimischer Staaten. Über Regierungssprecher Seibert lässt sie ausrichten: Sie sei "überzeugt, dass auch der notwendige entschlossene Kampf gegen den Terrorismus es nicht rechtfertigt, Menschen einer bestimmten Herkunft oder eines bestimmten Glaubens unter Generalverdacht zu stellen". Die Genfer Flüchtlingskonvention fordere die internationale Staatengemeinschaft auf, Kriegsflüchtlinge aus humanitären Gründen aufzunehmen. "Alle Unterzeichnerstaaten sind dem verpflichtet." Deshalb bedaure sie die Entscheidung des Präsidenten.

Er über sie:

Im August 2015 hatte Donald Trump noch eine Menge Lob für Angela Merkel übrig. In einem Interview mit dem US-Magazin Time kürt er sie zur "wahrscheinlich größten Anführerin der Welt", fand sie "fantastisch" und "sehr respektiert". Politisch fordert er damals von ihr mehr Härte und Kampfbereitschaft in der Ukrainekrise.

Dann kommt der Herbst 2015. Tausende Flüchtlinge kommen täglich nach Deutschland. Im Oktober sagt Trump in der TV-Sendung "Face the Nation" des Senders CBS: "Ich dachte immer, Merkel wäre diese große Anführerin, doch was sie in Deutschland getan hat, ist geisteskrank. Es war irrsinnig, so viele Menschen reinzulassen."

Anfang Dezember 2015 zieht er im Nachrichtensender Fox News die für sich logischen Konsequenzen aus der Flüchtlingspolitik der Kanzlerin: "Deutschland hat gerade viele Probleme, darunter eine nie dagewesene Kriminalität", sie ginge "durch die Decke". Er prophezeit Deutschland ein "totales Desaster", denn eine Flüchtlingspolitik nach dem Vorbild von Merkel habe "fürchterliche Dinge" zur Folge.

Als Merkel nur wenige Tage später vom US-Magazin Time zur "Persönlichkeit des Jahres" ausgezeichnet wird - seit 1927 kürt das renommierte Magazin die Person, die in den Augen der Redaktion das Weltgeschehen des Jahres besonders beeinflusst hat - lässt Trump wissen, dass er die Entscheidung für falsch hält. Nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa habe unter Merkels Flüchtlingspolitik gelitten. "Ich glaube, sie haben die Person ausgewählt, die Deutschland wirklich enormen Schaden zugefügt hat", sagt er. Deutschland trage mit der Flüchtlingspolitik Verantwortung für "viele der Probleme", die es in Europa gebe. Nicht Merkel, sondern er hätte eigentlich die Auszeichnung verdient, er sei der große Favorit gewesen.

Bei einer Wahlkampfveranstaltung im Januar 2016 legt er nach: "Schaut, was in Deutschland geschah, die erschütternden Verbrechen, die Silvesternacht, die Vergewaltigungen und das gesamte Gemetzel." Silvester sei ein Desaster gewesen, schrieb er auf Twitter - Merkels Flüchtlingspolitik die Ursache allen Übels.

Beim TV-Duell mit republikanischen Kandidaten im März 2016 gesteht Trump, dass er sein Bild von der Kanzlerin korrigieren musste: "Ich habe mal gedacht, Merkel sei eine große Führungspersönlichkeit - bis sie Deutschland das angetan hat." Auch erinnert er daran, dass seine Prophezeiung wahr geworden sei: "Deutschland ist heute ein Desaster."

Im Sommer 2016 glaubt er zu wissen, dass die Kriminalität hierzulande auf ein Niveau gestiegen sei, "von dem niemand gedacht habe, dass er es jemals sehen würde". Er wird nicht müde zu wiederholen, dass er die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin für eine "Katastrophe" hält, einen "fürchterlichen Fehler" und als Geschäftsmann wisse er, dass "alles billiger und alles besser als das ist, was derzeit in Deutschland passiert".

"Diese Frau", sagt er, habe Millionen von Menschen ins Land gelassen, deren Integration "sehr, sehr schwierig und in manchen Fällen unmöglich" sei.

Nach den Anschlägen in Würzburg und Ansbach erklärt Trump, Deutschland sei selbst schuld und sagt den Aufstand gegen Merkel voraus: Die deutsche Bevölkerung werde sie am Ende "stürzen", die Deutschen würden bereuen, dass Merkel Regierungschefin sei.

Trump sieht zwischen Merkels Flüchtlingspolitik und den terroristischen Anschlägen eine direkte Verbindung. Im Januar 2017 bezeichnet er den Berliner Weihnachtsmarktanschlag als Folge von Merkels "äußerst katastrophalem Fehler" und sagt Deutschland weitere Aufstände und "radikalislamischen Terrorismus" voraus. Trotzdem werde er sie treffen, weil er Merkel möge. Er liebe auch Deutschland, das Land, aus dem sein Vater stamme (eigentlich stammt sein Vater aus der Bronx, dessen Eltern kamen aus dem pfälzischen Kallstadt; Anm. d. Red.), er sei stolz auf das Land, denn: "Ich mag Ordnung und Stärke."

Ob Merkel Trump mag, ob Trump Merkel immer noch mag, ob sie miteinander arbeiten können, wird die erste Begegnung zeigen.

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