CSU-Parteitag Besser, Merkel erträgt den Spott

Auf dem Parteitag der CSU 2015 war CDU-Chefin Angela Merkel dabei - und musste sich Kritik von CSU-Chef Horst Seehofer anhören

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Die Kanzlerin wird wohl nicht zum CSU-Parteitag eingeladen. Doch das beschädigt das Verhältnis von CSU und CDU möglicherweise weniger, als es ihr Auftritt täte.

Ein Kommentar von Robert Roßmann

CDU und CSU haben in ihrer gemeinsamen Geschichte schon so manchen Tiefpunkt erlebt, aber der 20. November 2015 war ein besonderer. Dass die Chefs der Schwesterparteien sich mal kabbeln, gehört zum Geschäft, gegenseitige Demütigungen vor Kameras aber nicht. Doch an jenem 20. November musste sich die Kanzlerin auf der Bühne des CSU-Parteitags wie ein Schulmädchen von Horst Seehofer über die Flüchtlingspolitik belehren lassen. Selbst lang gediente Kanzlerinnen-Begleiter haben Angela Merkel noch nie so genervt erlebt wie in diesem Moment.

Anfang November beginnt der nächste CSU-Parteitag. Es scheint der erste zu werden, zu dem die Kanzlerin nicht eingeladen wird. Was zunächst wie eine neue Eskalation im Streit um die Flüchtlingspolitik aussieht, ist allerdings nur ein Akt der Risikovermeidung.

Anders als bei der CDU, bei der vor allem Mandatsträger Parteitagsdelegierte sind, sitzt bei der CSU die Basis im Auditorium. Die ist aber nur schwer zu steuern. Weil der Unmut in der CSU über den Kurs der Kanzlerin immer noch groß ist, könnte ein Merkel-Auftritt erneut in einem Fiasko enden. Die Spitzen von CSU und CDU sind deshalb - ausnahmsweise übereinstimmend - zu der Erkenntnis gekommen, dass der Spott, den ein Fehlen Merkels auslösen würde, weniger Schaden anrichtet, als ein möglicherweise aus dem Ruder laufender Auftritt der Kanzlerin.