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Bundestagswahl:Nahles: "Leute, merkt ihr eigentlich, was ihr hier macht?"

Als "Selbstverständnisdebatte" beschrieb ein Teilnehmer die Sitzung später. Andere konstatierten, dass es offenbar das Bedürfnis gegeben habe, sich in diesen Zeiten einmal auszutauschen. Es ging um die kommenden Wochen, um die Frage, wie man nun die Mitglieder überzeugen wolle, die nach den Koalitionsverhandlungen über den Vertrag abstimmen sollen. Es ging um die Jusos und deren Idee, vor dem Mitgliedervotum möglichst viele Groko-Gegner in die Partei zu holen. Und es ging, das bestätigen mehrere Teilnehmer, in manchen Redebeiträgen mindestens mittelbar auch um die Rolle von Parteichef Martin Schulz.

So soll es Kritik an der Dramaturgie des Parteitags gegeben haben, außerdem die Forderung, dass man Führung brauche. Vor allem aber gab es viel Lob für den Auftritt von Fraktionschefin Andrea Nahles in Bonn - was man im Umkehrschluss so deuten darf, dass der Auftritt von Schulz auch unter den Abgeordneten eher keine Begeisterung ausgelöst hat.

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Als Nahles am Montagmorgen merkte, in welche Richtung sich die Debatte entwickelte, ging sie dazwischen. "Leute, merkt ihr eigentlich, was ihr hier macht?", so wurde sie von Teilnehmern zitiert. Sicherheitshalber sagte sie ihren Frühstückstermin mit der französischen Delegation ab, die zum 55. Jahrestag des Élysée-Vertrags in Berlin weilte. Eigentlich hatte sie die Sitzung zeitig verlassen wollen.

Am Ende ergriff Schulz noch einmal das Wort. Er zeichnete kurz seinen Weg nach, nachdem sein Vorgänger Sigmar Gabriel ihm vor einem Jahr die Kanzlerkandidatur angetragen hatte - und schloss, indem er Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz zitierte: Wer bei ihm Führung bestelle, bekomme sie auch. Dafür gab es am Ende Beifall, sogar längeren als üblich.

Doch trotz dieses versöhnlichen Endes müssen sich die Sozialdemokraten offenkundig erst noch einmal sortieren. Im Verlauf der Woche will sich die Parteispitze zu einer Klausur treffen, um sich vorzubereiten und zu beraten, "auf welcher Grundlage, welcher strukturellen und auch mit welcher personellen Zusammensetzung" sie in die Verhandlungen gehe, wie es Schulz nach der Fraktionssitzung sagte. In der Parteiführung hieß es am Montag, man lasse sich nicht zur Eile drängen.

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