Menschenrechte:WHO: Alle zehn Minuten ein totes Kind im Gazastreifen

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Trauernde palästinensische Angehörige vor einem Krankenhaus im Gazastreifen. Foto: Mohammed Talatene/dpa (Foto: dpa)

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New York/Genf (dpa) - Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Situation im Gazastreifen als äußerst desaströs beschrieben. "Im Durchschnitt wird in Gaza alle zehn Minuten ein Kind getötet", sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus vor dem UN-Sicherheitsrat.

"Es ist nirgendwo sicher und niemand ist sicher", sagte er, da immer mehr Menschen in immer kleinere Räume fliehen würden. Im vergangenen Monat habe es mehr als 250 Angriffe auf Krankenhäuser im Gazastreifen gegeben, zudem über 25 in Israel. Tedros forderte mehr Zugang für humanitäre Hilfe.

Seit den Hamas-Terrorangriffen auf Israel vom 7. Oktober lässt Israel nur begrenzt Hilfslieferungen in den Gazastreifen zu. Treibstoff für die Generatoren unter anderem der Kliniken durfte bislang gar nicht eingeführt werden.

Der Chef des Palästinensischen Roten Kreuzes, Marwan Dschilani, sprach vor dem mächtigsten UN-Gremium davon, dass der Treibstoffmangel im Gazastreifen wegen der Blockade durch Israel viele weitere Menschenleben kosten könnte: "Im Moment besteht die sehr große Gefahr, dass wir alle Patienten auf den Intensivstationen und die Kinder in den Brutkästen verlieren." Die humanitäre Hilfe, die im vergangenen Monat nach Gaza gelangte, entspreche der, die sonst in zwei Tagen in das Gebiet geflossen wäre.

Der Sicherheitsrat hat sich bislang nicht auf eine gemeinsame Haltung zum Gaza-Krieg einigen können, unter anderem wegen Vetos der USA, Chinas und Russlands. Ein neuer Entwurf aller zehn nicht-ständigen Mitglieder des Rates wird hinter den Kulissen verhandelt, einen Durchbruch gibt es dabei aber bislang nicht.

Schwerkranke Kinder konnten Gazastreifen verlassen

Unterdessen wurde bekannt, dass Zwölf an Krebs und anderen lebensbedrohlichen Krankheiten leidende Minderjährige laut WHO aus dem Gazastreifen geholt worden sind.

Sie wurden mit ihren Betreuungspersonen nach Ägypten und Jordanien gebracht, um ihre medizinische Behandlung dort fortzusetzen, teilte die WHO in Genf mit.

Die Aktion wurde mit Hilfe der USA, Ägyptens, Jordaniens und der St. Jude-Kinderklinik aus Memphis in den USA unter den palästinensischen und israelischen Behörden koordiniert.

"Ich bete, dass diese Initiative alle Seiten inspiriert, Gesundheit und Frieden an die erste Stelle zu setzen", so Ghebreyesus mit. Eine der zwei Spezialkliniken für Krebs-Patientinnen und -Patienten habe mangels Material und wegen der Sicherheitslage schließen müssen, die andere funktioniere nur noch eingeschränkt. Die Versorgung für Krebskranke sei auf ein Minimum reduziert worden. Alle Partner arbeiteten nach WHO-Angaben daran, weitere Schwerkranke aus dem Gazastreifen zu holen.

© dpa-infocom, dpa:231110-99-901548/3

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