Melania Trump Die Sphinx im Weißen Haus

Melania Trump im Mai in Italien: Als Gattin eines umstrittenen US-Präsidenten hat sie es aber auch nicht leicht.

(Foto: Luca Bruno/dpa)

Die US-Amerikaner versuchen, die rätselhaften Taten von Melania Trump zu deuten. Wird die First Lady unabhängiger? Oder trollt sie gar ihren Ehemann?

Von Beate Wild, Austin

Wenn sich Gegensätze anziehen, müssten Melania Trump und ihr Ehemann Donald das perfekte Paar sein. Sie: zurückhaltend, introvertiert, unterkühlt. Er: vorlaut, extrovertiert, aufbrausend. Sie: besonnen, elegant, gute Manieren. Er: unvernünftig, eigenwilliger Stil, schlecht sitzende Anzüge.

Das ist zumindest der Eindruck, den die Öffentlichkeit von dem sehr unterschiedlichen Paar hat. Da wenig über die aktuelle First Lady bekannt ist, ist das Rätselraten um Melania für einige US-Amerikaner zum Hobby geworden. Alles an ihr wird interpretiert und gedeutet. Ihre Kleidung, ihre Art zu sprechen, ihre Kampagne gegen Cyberbullying, ihr Krankenhausaufenthalt und warum sie mit ihrem Ehemann nicht Händchen halten will.

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Selbst Stormy Daniels, die Pornodarstellerin, mit der Melanias Gatte eine Affäre gehabt haben soll, verteidigt sie. Die Leute sollten aufhören, die immerhin schon 13 Jahre dauernde Ehe zu bewerten, sagt Daniels.

Und dann schreibt auch noch Omarosa Manigault Newman, ehemalige Mitarbeiterin im Weißen Haus, in ihrem halbseidenen Enthüllungsbuch, Melania zähle nur die Tage, bis Trump nicht mehr Präsident sei, damit sie ihn endlich verlassen könne. Alles nur Spekulationen, denn die beiden Damen kennen sich nicht näher. Doch die klatschsüchtige Öffentlichkeit saugt derartige Informationsschnipsel begierig auf. Es kursieren sogar Theorien, dass in der Öffentlichkeit vorwiegend bezahlte Doppelgängerinnen zu sehen seien.

Die Washington Post-Legende Bob Woodward hat jetzt mit einigen Spekulationen aufgeräumt. In seinem soeben erschienenen Buch "Fear" (Angst) über die Trump-Präsidentschaft ist nicht viel Gutes über den US-Präsidenten zu lesen. Aber Mitarbeiter des Weißen Hauses - und von denen vor allem solche, die mit auf Reisen sind, wenn das Ehepaar Trump gemeinsam unterwegs ist - sagen, beide empfänden "ehrliche Zuneigung" füreinander. Allen Gerüchten zum Trotz.

Unnahbarer als bisherige First Ladies

Melania Trump, die vor 48 Jahren als Melanija Knavs im heutigen Slowenien geboren wurde, ist auch deshalb ein Mysterium, weil sie zugeknöpfter und unnahbarer wirkt als ihre Vorgängerinnen im Weißen Haus. Mit ihrer Rolle als First Lady ist sie nur sehr langsam warm geworden. Bei der Amtseinführung ihres Mannes stand sie in einem himmelblauen Kostüm neben ihm. Ihre Erscheinung erinnerte an Jackie Kennedy, womit Melania - bewusst oder unbewusst - die Erwartungen hoch setzte.

Doch nach den Feierlichkeiten verschwand sie von der Bildfläche. Bis zum Sommer 2017 blieb sie mit Sohn Barron im Trump-Tower in New York, damit er dort das Schuljahr beenden konnte. Ihre öffentlichen Aufgaben als Präsidentengattin nahm sie anfangs nur sporadisch wahr. Sie war es nicht gewohnt, als Person so plötzlich in der Öffentlichkeit zu stehen. Bekannt ist, dass sich Melania aus der Präsidentenbibliothek historische Bücher über frühere First Ladies ausgeliehen hat. Offenbar um zu studieren, wie diese ihren Job interpretierten.

Im Ostflügel des Weißen Hauses, wo traditionell die Büros der First Lady liegen, sind nur zehn Mitarbeiter für Melania tätig. Das ist beeindruckend wenig, bei Michelle Obama und Laura Bush waren es jeweils 25.

Ob die dünne Personaldecke der Grund ist, dass ihre Agenda bislang noch wenig Interesse weckt? Oder ist es gar mangelnde Ambition, wie ihr manche US-Medien unterstellen? Klar ist, dass Melania, ein Ex-Model, die Kunst und Design studierte, sich bislang nicht als politische Strippenzieherin inszenieren wollte. Doch vielleicht kommt ihr großer Moment noch.

Zumindest scheint seit ein paar Monaten mehr Bewegung in ihre Aktivitäten als erste Dame des Staates zu kommen. Genauer gesagt, seit die angeblichen Affären ihres Mannes mit Pornodarstellerin Stormy Daniels und Playboy-Model Karen McDougal bekannt wurden. Auf einmal strebt Melania offenbar nach mehr Unabhängigkeit. Sie wirkt selbstbewusster, treibt endlich eigene Projekte voran und reist alleine.

Dabei geht nicht immer alles glatt. Zum Gedenken an den 17. Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 entfachte sie einen Sturm der Entrüstung, weil sie ihre Anteilnahme auf Twitter mit einem Bild von sich und ihrem Mann geschmückt hat. Der Vorwurf an sie: das sei "narzisstisch".

Und auf einem Trip im Juni nach Texas, wo sie Kinder illegaler Einwanderer besuchte, die wegen der "Null Toleranz"-Politik ihres Ehemannes an der Grenze von ihren Eltern getrennt worden waren, sandte sie eine merkwürdige Botschaft. Auf ihrer 39-Dollar-Zara-Jacke stand: "I really don't care. Do u?" (Mir ist es völlig egal. Und dir?)

Die westliche Welt diskutierte, was es mit diesem Spruch auf sich habe. "Es ist nur eine Jacke", teilte ihre Sprecherin mit. "Es gibt keine versteckte Botschaft." Die US-Medien hatten einen andere Erklärung: Es sei eine Nachricht an die Medien, die zu gerne nach versteckten Botschaften in ihren Kleidern suchen. Möglich. Zufall war es wohl nicht, denn Melania ist sich ihrer Außenwirkung durchaus bewusst.