Meistgesuchter Terrorist der Welt erschossen Obama verfolgt Einsatz über Live-Schaltung

In der Nacht zum Sonntag flog ein etwa 25-köpfiges Spezialkommando der Navy Seals mit Hubschraubern in Abbottabad ein. Laut US-Angaben überrumpelte es die Wachen und stellte Bin Laden. Er sei von einer seiner Ehefrauen namentlich identifiziert worden. Als der Terrorführer Widerstand geleistet habe, sei er mit einem gezielten Kopfschuss getötet worden. Zudem seien einer seiner Söhne, zwei seiner Kuriere sowie eine Frau ums Leben gekommen. Obama habe die 40-minütige Operation per Satellit live im Weißen Haus verfolgt. Obamas Anti-Terror-Berater John Brennan sagte, Ziel der Mission sei nicht die Tötung Bin Ladens gewesen. Er wäre gefangen genommen worden, wenn er sich nicht gewehrt hätte. Die getötete Frau sei eine der Ehefrauen Bin Ladens gewesen, die dieser als Schutzschild benutzt habe. Brennan kündigte eine Untersuchung darüber an, wie Bin Laden so lange in Abbottabad leben konnte. Es sei "unvorstellbar", dass er keine Unterstützer in Pakistan gehabt habe.

Die Navy Seals flogen mit der Leiche Bin Ladens nach Afghanistan. Laut US-Regierung wurde er durch einen DNS-Test eindeutig identifiziert. Da kein Land der Welt eine Grabstätte habe zur Verfügung stellen wollen und muslimische Gebote eine Beisetzung innerhalb von 24 Stunden verlangten, habe man den Leichnam auf hoher See bestattet. Auf dem US-Flugzeugträger Carl Vinson sei Bin Laden zuvor nach islamischem Ritus gewaschen worden.

"Nur noch Symblofigur!"

Terrorexperten warnten,nun könnten versprengte al-Qaida-Kommandos Racheakte vor allem gegen die USA versuchen. Auch in Deutschland wird damit gerechnet, dass Einzeltäter spontane Anschläge verüben könnten. In einer Telefonkonferenz der Staatssekretäre von Bund und Ländern wurden Anschlagsversuche in den nächsten Wochen für möglich gehalten. Der al-Qaida-Experte Peter Bergen von der New America Foundation sagte, Bin Laden sei zuletzt "nur noch eine Symbolfigur" gewesen, der längst die operative Kontrolle über sein Netzwerk abgetreten habe. Experten erwarten, dass nun al-Qaidas bisherige Nummer zwei, der Ägypter Aiman al-Zawahiri, das Kommando übernehme.

Der Tod des weltweit meistgesuchten Terroristen bedeutet für die USA einen Sieg nach fast zehnjähriger Jagd, die allein die Geheimdienste 500 Milliarden Dollar gekostet hatte. Obamas Amtsvorgänger George W. Bush hatte nach den Terroranschlägen 2001 die Parole ausgegeben, er wolle Bin Laden "tot oder lebendig". Bush befahl nicht nur den Sturz des Talibanregimes in Afghanistan, sondern auch die international umstrittene Invasion im Irak. Die Einrichtung des Terroristen-Gefängnisses in Guantanamo brachte die Nation weltweit in Verruf.