Familie Gebt Alleinerziehenden die Chance zu arbeiten!

Alleinerziehende sind öfter von Armut bedroht.

(Foto: picture alliance / Marcel Kusch)

Viele Alleinerziehende und ihre Kinder leben in prekären finanziellen Verhältnissen. Was helfen würde: Wenn alle Mütter arbeiten könnten, die es wollen.

Kommentar von Barbara Galaktionow

Wie leben Alleinerziehende und ihre Kinder? Das ist eine Frage, die nicht nur die Betroffenen umtreibt, sondern auch für die Gesellschaft insgesamt immer relevanter wird. Denn neue Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen: Ihre Zahl nimmt stetig zu. 1,5 Millionen Alleinerziehenden-Familien mit minderjährigen Kindern gab es im vergangenen Jahr - das ist mittlerweile fast jede fünfte Familie.

Die finanzielle Situation vieler dieser Alleinerziehenden-Familien ist heikel. Das Armutsrisiko (33 Prozent) ist doppelt so hoch wie in der übrigen Bevölkerung. Fast zwei Drittel werfen unerwartete Ausgaben von 1000 Euro aus der Bahn. Wenn die Waschmaschine kaputt geht, sind sie aufgeschmissen. Knapp 40 Prozent ist es nicht möglich, auch nur eine Woche im Jahr gemeinsam mit den Kindern in den Urlaub zu fahren, was neben nötiger Erholung ja auch eine Frage der gesellschaftlichen Teilhabe ist. Und 14 Prozent können sich nicht einmal jeden zweiten - ja zweiten Tag! - eine vollwertige Mahlzeit leisten.

Die Frage, wie es alleinerziehenden Eltern und ihren Kindern geht, hängt also in vielen Fällen ganz grundlegend von materiellen Faktoren ab. Eine gewisse Besserung hat da in vielen Familien die Ausweitung des Unterhaltsvorschusses für minderjährige Kinder im vergangenen Jahr bedeutet. Wie notwendig der war, zeigt sich schon daran, dass die Zahl der Kinder sprunghaft angestiegen ist, die einen solchen Vorschuss vom Staat bekommen, weil der unterhaltspflichtige Elternteil (im Allgemeinen der Vater) nicht zahlen kann oder will.

Familie Staat zahlt Unterhalt für mehr als 700 000 Kinder
Alleinerziehende

Staat zahlt Unterhalt für mehr als 700 000 Kinder

Bei etwa der Hälfte der alleinerziehenden Mütter drückt sich der Vater vor den Zahlungen oder ist mittellos. Seit die Regierung vor einem Jahr den Unterhaltsvorschuss ausgeweitet hat, ist die Zahl der Anträge massiv gestiegen.   Von Henrike Roßbach

Doch deutlich wird auch, dass die Frage der finanziellen Lage von Alleinerziehenden wesentlich eine Frage von Frauenerwerbstätigkeit ist. Alleinerziehende Väter arbeiten häufiger überhaupt und auch häufiger Vollzeit als alleinerziehende Mütter. Aber: Nach wie vor sind es vor allem die Mütter, die von Geburt des Kindes an oder nach einer Trennung mit dem Kind oder den Kindern zusammenleben. Neun von zehn Alleinerziehenden sind Frauen. Und sie kümmern sich auch häufiger um kleinere oder mehrere Kinder als die Väter.

Trotzdem sollte diese Zahl im Bericht Staat und Arbeitgeber besonders aufhorchen lassen: Ein großer Teil (27 Prozent) der alleinerziehenden Mütter hatte 2017 keine Erwerbsarbeit - doch mehr als die Hälfte von ihnen würde gerne arbeiten. Und hier liegt sicherlich das Potenzial, um die Situation von Alleinerziehenden und ihren Kindern auf lange Sicht zu verbessern. Müttern, die wollen, muss es ermöglicht werden, Geld zu verdienen. Durch bessere und flexiblere Kinderbetreuung, durch flexiblere Arbeitsformen, was auch immer notwendig ist. Eigentlich ist ja alles lang bekannt.

Frauen sollten sich allerdings gelegentlich auch selbst an die Nase fassen und darüber nachdenken, wie Kinder und Arbeit zusammengehen, notfalls auch ohne Mann. Sie müssen sich selbst eine berufliche Perspektive schaffen, am besten schon, bevor sie Kinder bekommen. Sich darauf zu verlassen, dass der Mann sie und die Kinder schon finanzieren wird, kann sich als Falle erweisen.

Miete Wie sehr die Miete Alleinerziehende belastet

Datenanalyse

Wie sehr die Miete Alleinerziehende belastet

Weit über 30 Prozent ihres Einkommens müssen sie in München allein für die Miete aufbringen. Und das Problem verschärft sich.   Von Birgit Kruse und Martina Schories