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Meine Presseschau:Wer braucht diese Royals?

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Alexander Mühlauer ist Korrespondent der SZ in London.

Die Aufregung ist groß um Harry und Meghan in der britischen Presse. Manche Journalisten finden: Sollen die beiden doch ihr eigenes Ding machen - kosten ohnehin nur viel Geld.

Von Alexander Mühlauer

In diesen Tagen ist es nicht so einfach, eine Zeitung zu finden, die Sympathien für Harry und Meghan zeigt. Zumindest nicht im Vereinigten Königreich. Eine der wenigen Ausnahmen ist The Guardian. Das linksliberale Blatt kann der Entscheidung des Prinzen und der Herzogin von Sussex, sich weitgehend von ihren royalen Pflichten zurückzuziehen, durchaus etwas Positives abgewinnen, wenn auch leicht ironisch. "Mit ihrer ungeschickten Rebellion gegen unsere antiquierte Form der Monarchie haben die Sussexes sich selbst - und vielleicht auch der Monarchie - einen Gefallen getan", kommentiert die Zeitung. Es sei absurd, dass jungen Royals nicht gesagt werde, dass sie eine bezahlte Arbeit finden und eine Ausbildung machen müssten. "In anderen Monarchien, von denen die meisten nach wie vor beliebt sind, sind solche Karrierewege völlig normal", schreibt der Guardian.

Für die konservative Times hingegen ist der Entschluss von Harry und Meghan ein "überhasteter Egotrip, der weitreichende Konsequenzen haben wird". In ihrem Kommentar kritisiert die Royal-Expertin Ingrid Seward, dass Harry den Rat des Palastes, sein Ansinnen erst einmal in Ruhe zu besprechen, schlicht ignoriert habe. Es sei auch respektlos gewesen, die Queen vor der Veröffentlichung des Entschlusses nicht zu konsultieren. Zunächst aber müsse Prinz Charles das Problem mit seinem Sohn lösen - erst danach werde die Königin unterstützend eingreifen, meint die Autorin.

Besonderes Mitgefühl mit der Queen zeigt die Wochenzeitschrift The Spectator. "Harry und Meghan haben die Königin in eine unmögliche Lage gebracht", schreibt das konservative Magazin. Und weiter: Wenn sie dem Paar erlaube, ihre königlichen Titel zu behalten, dann werde alles, was die beiden im Zuge ihrer neuen Unternehmungen tun oder sagen, direkt mit der Monarchie in Verbindung gebracht. Der Kommentator des Spectator vertraut jedenfalls der Königin: "Die Queen wird den Job erledigen. Aber es ist sehr traurig zu sehen, dass ihre Familienmitglieder sie in eine so schwierige Lage gebracht haben."

Weitaus unversöhnlicher gibt sich das Boulevardblatt The Sun. "Wenn Prinz Harry und Meghan Markle wirklich rauswollen, hat es ein Ende mit der königlichen Cashcow", schreibt die Sun und fordert: "Gebt uns unsere Millionen zurück!" Nicht ohne Neid verweist das Blatt auf das Multimillionenvermögen von Meghan und Harry und auf ihren Juwelenreichtum. Die Entscheidung der beiden hält man für legitim: "Wenn die Sussexes Privatleute sein wollen, dann ist das in Ordnung." Es gebe ohnehin zu viele Royals, die vom Geld der Steuerzahler profitierten. "Wozu brauchen wir all diese Leute und warum sollten wir für sie bezahlen?", fragt das Blatt.

© SZ vom 11.01.2020

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