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Meine Presseschau:Wenn Europas Bollwerk bröckelt

Illu_Förderl-Schmid

Alexandra Föderl-Schmid berichtet aus Israel für die Süddeutsche Zeitung.

In Israel blicken die Zeitungen kritisch auf den Wahlerfolg der AfD im Osten Deutschlands.

In Israel wird der Aufstieg der rechten Parteien in Europa genau registriert. Jede Wahl - auch auf regionaler Ebene - wird analysiert, über antisemitische Vorfälle wird ausführlich berichtet. Insbesondere Deutschland steht im Fokus. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel genießt große Wertschätzung. Die Stabilität Deutschlands wird mit ihr in Verbindung gebracht, sie gilt als Bollwerk gegen den Rechtspopulismus in Europa.

Fast seismografisch wird in Israel die Alternative für Deutschland (AfD) beobachtet, ihre führenden Politiker und ihre Positionen werden vorgestellt. Die Times of Israel berichtet etwa über den Ausschluss von Doris von Sayn-Wittgenstein wegen parteischädigenden Verhaltens. Die Leserinnen und Leser erfahren auch, dass der Spitzenkandidat in Brandenburg, Andreas Kalbitz, 2007 bei einem Neonazi-Treffen in Griechenland war. Die Partei wird als "rechts stehend, euroskeptisch und gegen Migration gerichtet" beschrieben.

Über den Ausgang der Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen heißt es, die AfD habe "in den ehemaligen kommunistischen Gebieten" zugelegt. Damit könnte die "fragile Koalition von Angela Merkel mit den Sozialdemokraten destabilisiert werden". Immerhin habe die AfD die "Mainstream-Parteien" dann doch nicht überholt, konstatiert die Zeitung.

In der Jerusalem Post wird daran erinnert, dass die AfD die Ansicht vertrete, dass Deutschland vom Holocaust geradezu besessen sei. In der Zeitung kommt ausführlich der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, zu Wort. Sie zitiert Aussagen von ihm aus einem Interview mit der Jüdischen Allgemeinen, in dem es um die Konsequenzen aus den Landtagswahlen geht. Auch wenn die AfD nicht stimmenstärkste Partei geworden sei, könne man sich "nicht entspannt zurücklehnen und weitermachen wie bisher".

Die Jerusalem Post gibt auch die Forderung Schusters wieder, es müsse bei einer klaren Abgrenzung zur AfD bleiben. Man dürfe nicht auf die Anbiederung hereinfallen, dass es sich um eine bürgerliche Partei handle. "Sie ist nicht bürgerlich, sondern meiner Meinung nach rechtspopulistisch, in Teilen rechtsradikal."

Die Gratiszeitung Israel Hajom beschreibt die AfD so: Sie bestehe "nicht notwendigerweise aus Nazis (wie die Gegner behaupten), sondern verleiht dem patriotischen Empfinden in der deutschen Öffentlichkeit Ausdruck". Es wird die Frage gestellt, ob ein Boykott der AfD weiterhin richtig sei, wenn man gleichzeitig mit linken Antisemiten im Dialog sei. Die AfD unterstütze "wenigstens einige proisraelische Initiativen". Das Blatt unterstützt im Wahlkampf in Israel den rechtsnationalen Premier Benjamin Netanjahu.