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Meine Presseschau:Goldmedaille für Pedro Sánchez

Spaniens Medien würdigen den Wahlsieger. Nicht alle erwarten aber, dass er das Land in eine bessere Zukunft führt.

Der Jubel der spanischen Sozialisten nach den gewonnenen Parlamentswahlen vom vergangenen Wochenende ist verhallt; Premierminister Pedro Sánchez steht vor einer äußerst schwierigen Regierungsbildung, da es im Parlament keine klaren Mehrheiten gibt. Die linksliberale Madrider Tageszeitung El País, die während des Wahlkampfs offen Sánchez unterstützt hat, widerspricht der Auffassung, dass die Bevölkerung in zwei unversöhnliche Lager gespalten sei, dass unüberwindliche Gräben das linke und das rechte Lager voneinander trennten. Vielmehr habe die große Mehrheit der Wähler für Kandidaten gestimmt, die gemäßigt aufgetreten seien und Dialogbereitschaft bekundet hätten. Auch in der unruhigen Region Katalonien sei dies zu beobachten: "Unter den Separatisten haben die pragmatischen Kräfte an Gewicht gewonnen." Dagegen sei die konservative Volkspartei (PP) wegen ihres Rechtsschwenks bei dieser Wahl eingebrochen. Die PP müsse lernen: "Wer sich von der Mitte entfernt, verliert."

Die in Barcelona erscheinende Tageszeitung La Vanguardia zollt Sánchez' Hartnäckigkeit Lob. Dieser war vor drei Jahren von den eigenen Genossen gestürzt worden, hat sich dann aber an die Parteispitze zurückgekämpft und nun die Sozialisten zu ihrem ersten Wahlsieg seit elf Jahren geführt: "Pedro Sánchez gebührt die Goldmedaille in der Kategorie politische Unabhängigkeit. Er war tot und hat nun allen eine Lektion erteilt, die ihn unter einer dicken Betonplatte begraben wollten."

Das nationalpatriotische Traditionsblatt ABC sieht den Erfolg von Sánchez vor allem als eine Folge der Schwäche der PP, die schwer an den Korruptionsaffären der vergangenen Jahre zu tragen habe. Mit Sorge beobachtet der Leitartikler das Wirtschaftsprogramm der Sozialisten: Die geplante Erhöhung des Mindestlohns um ein Drittel innerhalb von zwei Jahren werde zu einer "Zerstörung der Produktivität" führen, Spanien werde in vielen Bereichen die erst vor Kurzem erreichte internationale Konkurrenzfähigkeit wieder verlieren. Die Unternehmer würden von dieser Regierung gezwungen, "die Rentabilität ihrer Investitionen zu opfern", warnt die Zeitung. Spanien drohe unter Sánchez der Rückfall in die Krise.