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Meine Presseschau:Folklore im Treppenhaus

Jürgen Schmieder

Jürgen Schmieder ist Korrespondent der Süddeutschen Zeitung in Los Angeles.

An der Westküste der USA feiern die Fans des FC Bayern den Auftritt ihrer Mannschaft als "einmalige Erfahrung". Und doch fehlt ihnen etwas zum ganz großen Glück.

Es kann schon sein, dass der FC Bayern diese USA-Reise betrachtet wie ein Treppenhaus: Muss man halt durch, und wenn die Verantwortlichen die Los Angeles Times aufschlagen, dann dürften sie schon mal sehr zufrieden sein. "Fußballfans an der Westküste können einsam sein, Spiele beginnen wegen der Zeitverschiebung meist bei Sonnenaufgang", heißt es, und deshalb seien die Partien in US-Arenen und die Begegnungen mit Stars so bedeutsam. Die Gründer des FC-Bayern-Fanklubs in L. A. sagen über ihren Besuch der Partie gegen den FC Arsenal trotz der Niederlage: "Once in a lifetime!" Eine einmalige Erfahrung.

Ähnlich sieht das auch der Sportkanal ESPN, die drei Freundschaftsspiele gegen Arsenal, Real Madrid und den AC Mailand dienten eher der Folklore denn dem Schürfen nach sportlichen Erkenntnissen. Es sei allerdings die Frage erlaubt, ob die Mannschaft, die nun durch die USA reist, auch jene sei, die am ersten Bundesligaspieltag gegen Hertha BSC auflaufe: "Sie haben bei Transfers noch einen riesigen Berg zu erklimmen."

Was das bedeutet, zeigt ein Blick auf die Internetseite der Zeitschrift Sports Illustrated. Dort werden die Transfers von Matthijs de Ligt und Antoine Griezmann ausführlich analysiert - verbunden mit der Frage, was diese gefallenen Dominosteine für andere Klubs bedeuten: "Gewöhnlich ist Bayern München eine attraktive Adresse, aber bisher ist noch nichts passiert." Die Fans in den USA seien begeistert vom freundlichen und nahbaren Auftritt der Münchner - was sie jedoch mindestens ebenso freuen würde: die Ankunft eines Spielers von Weltruhm.