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Meine Presseschau:Die SPÖ kämpft mit sich selbst

Peter Münch ist Korrespondent der SZ in Österreich.

Ist mit den Sozialdemokraten noch zu rechnen? Österreichs Medien haben Zweifel.

Von Peter Münch

Österreichs darbende Sozialdemokraten haben endlich mal wieder eine Wahl gewonnen, und der Jubel in der Parteizentrale in der Wiener Löwelstraße ist groß. Da stört es wenig, dass diese Wahl streng genommen nur eine interne Abstimmung war: eine Vertrauensfrage, mit der die seit ihrem Amtsantritt vor anderthalb Jahren ständig in der Kritik stehende Parteichefin Pamela Rendi-Wagner die Flucht nach vorne angetreten hat. Rund 41 Prozent der SPÖ-Mitglieder haben sich daran beteiligt, 71,4 Prozent haben, ohne Gegenkandidat, für die Parteichefin votiert. Da braucht es wahrscheinlich schon einen Mitleidsbonus, um wie der Kurier zu urteilen: "Sie hat viel riskiert - und gewonnen." Selbst die konservative Presse gratuliert: "Die Meinung der Parteibasis ist mehr als eindeutig. Die SPÖ will Pamela Rendi-Wagner als Chefin." Nur der liberale Standard ist nicht ganz so überzeugt von der Eindeutigkeit dieses Ergebnisses: "Die Sozialdemokraten sind kein bisschen klüger als zuvor."

Einig allerdings sind sich alle, dass Rendi-Wagner "hart im Nehmen und eine große Kämpfernatur" ist, wie es die auflagenstarke Kronen Zeitung formuliert. Das muss sie wohl auch sein, denn erstens sitzen ihr auch weiterhin die mächtigen Männer der SPÖ im Nacken, und zweitens bekennen sich in Umfragen nur noch 16 Prozent der Wähler zu den Sozialdemokraten, die unter Bruno Kreisky selig Österreich noch mit absoluten Mehrheiten regierten.

Der Standard sieht Rendi-Wagner nun "vor ihrer letzten Chance, das Ruder herumzureißen, für sich und die Partei. Die Themenlage - Arbeitslosigkeit, soziale Nöte - sollte der SPÖ entgegenkommen." Die Presse ist da jedoch deutlich skeptischer: "Selbst mit einer geeinten Partei scheint mit der SPÖ weder Staat noch Opposition zu machen sein."

© SZ vom 09.05.2020

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