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Medizinstudent stirbt in Aleppo:Märtyrer aus Greifswald

Er war zuversichtlich, dass in seiner Heimat Syrien am Ende die Demokratie siegen würde und verfasste deshalb Aufrufe im Internet. Dann ging Husam A., der in Deutschland Medizin studierte, selbst nach Aleppo - um zu kämpfen. Jetzt steht im Internet die Meldung seines Todes.

Als der Film über ihn gedreht wurde, war Husam A. noch zuversichtlich. Zuversichtlich, dass die syrischen Revolutionäre siegen würden. Zuversichtlich, dass am Ende die Demokratie gewinnt. Dass Assad gestürzt wird. Bis dahin wolle er weitermachen, hatte er vor einem Jahr in die Kameras eines deutschen Filmteams gesprochen.

Er hatte den Journalisten erzählt, was er in den Folterkellern von Syriens Herrscher Baschar al-Assad erlebt hatte. Es war die bewegende Geschichte eines Greifswalder Studenten, der in seine Heimat zurückgekehrt war, um dort das Regime zu stürzen. Anfangs war es ein friedlicher Protest, später griff Husam A. zur Waffe - und fand nun offenbar den Tod.

Am vergangenen Dienstag, in den frühen Morgenstunden, traf eine Kugel den 25-Jährigen in den Kopf, so jedenfalls erzählen es seine Freunde von der Opposition. Bilder und Videos, die im Internet kursieren, zeigen seinen Leichnam: schwarze, zottelige Haare, blasses Gesicht, geronnenes Blut.

Husam A. wollte angeblich gerade die Leiche eines Kameraden von einer Kreuzung am Stadtrand von Aleppo ziehen, als ihn ein Scharfschütze ins Visier nahm. Sein Mörder soll den gefürchteten Schabiha-Milizen angehören, Assads Männern fürs Grobe. Nur wenige Stunden nach dem Tod des Greifswalder Medizinstudenten sollen mehrere Milizionäre von Kämpfern der oppositionellen Freien Syrischen Armee hingerichtet worden sein - auch aus Rache für den Tod von Husam A.

Auf seiner Facebook-Seite hatte der 25-Jährige am Montag selbst noch das Bild eines getöteten Rebellen gepostet - eines "Märtyrers", wie die oppositionellen Kämpfer ihre gefallenen Kameraden nennen. Wenig später war auch er ein Märtyrer. "Möge Allah ihn segnen und einen Platz im Paradies bereiten", haben Freunde auf Facebook gepostet.

Husam A. studierte schon in Greifswald, als der Arabische Frühling begann. Er war nach einer Laboranten-Lehre nach Deutschland gekommen. Im Fernsehen sah er, wie das tunesische Volk Diktator Zine el-Abidine Ben Ali verjagte und er sah, wie Ägyptens Autokrat Hosni Mubarak verhaftet wurde. "Husam fragte damals schon immer, wann es auch bei uns, in Syrien, endlich so weit sei", erzählt der 27-jährige Abu Jamal, der in Wirklichkeit anders heißt.

Er war der beste Freund von Husam A., in Greifswald haben sie sich im Studentenwohnheim ein Zimmer geteilt. Abu Jamal stammt aus Daraa, jener Stadt, in der vor 17 Monaten der Aufstand begann. Er und Husam A. saßen oft zusammen und überlegten, was sie für die Revolution in ihrer Heimat tun könnten.

Husam A. gründete eine Facebook-Gruppe namens "Freedom Flowers Coordination - Aleppo". Er habe nur ein Ziel gehabt, erzählt Abu Jamal. "Er wollte die Revolution nach Aleppo bringen." Heute toben in der zweitgrößten Stadt Syriens heftige Kämpfe, damals kannten dort viele den Aufstand nur vom Hörensagen.