Medikamentenmangel:Ärzte und Apotheker rechnen noch viele Monate mit Engpässen

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Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) will die Lieferengpässe bekämpfen. (Foto: Bernd von Jutrczenka/DPA)

Fachleute gehen davon aus, dass die Lieferprobleme bei Medikamenten auch 2023 anhalten und weitere Arzneimittel betreffen werden. Die Pläne von Gesundheitsminister Lauterbach helfen nach ihrer Einschätzung "nur bedingt".

Trotz Hilfsplänen von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) rechnen Hausärzte und Apotheker nicht mit einer schnellen Verbesserung der Lieferengpässe bei Medikamenten. "Die jetzt diskutierten Maßnahmen werden in der hausärztlichen Versorgung kurzfristig nur bedingt helfen", sagte Nicola Buhlinger-Göpfarth, stellvertretende Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, der Rheinischen Post. "Die Lieferengpässe sind in den Hausarztpraxen sehr deutlich zu spüren. Die Hausärztinnen und Hausärzte müssen inzwischen sehr viel Zeit investieren, um, sofern dies überhaupt möglich ist, Medikationen umzustellen." Gerade in der aktuell sehr starken Krankheitswelle sei das eine enorme zusätzliche Belastung.

Derzeit sind in Deutschland etwa 330 Arzneimittel nicht lieferbar, darunter Kindermedikamente wie Fieber- und Hustensäfte. Auch Mittel für Erwachsene sind betroffen, etwa Krebsmedikamente und Antibiotika.

"Täglich werden neue Medikamente knapp"

Der Apothekerverband Nordrhein erwartet ebenfalls lang anhaltende Lieferschwierigkeiten bei Medikamenten. "Es wird viele Monate dauern, bis die Versorgungssituation besser wird. Wir gehen davon aus, dass die Lieferprobleme auch 2023 anhalten und noch weitere Arzneimittel betroffen sein werden", sagte Verbandschef Thomas Preis der Zeitung. "Täglich werden neue Medikamente knapp: Aktuell fehlen Mittel zur Desensibilisierung von Allergikern, die sollen erst im Mai kommen - wenn die Pollensaison schon begonnen hat - dann kann man aber nicht mehr desensibilisieren." Die Pläne von Lauterbach seien nur "ein Tropfen auf den heißen Stein".

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Lauterbach hatte am Dienstag angekündigt, dass die Krankenkassen vorübergehend die Mehrkosten für teurere Ausweichmedikamente übernehmen sollen. Außerdem sollten zur Sicherung der Versorgung mit den günstigen Arzneimitteln künftig Vorräte angelegt werden. Langfristig will der Minister zudem die Preisvorschriften lockern, damit wieder europäische Anbieter ins Spiel kommen. Im ZDF sagte der Minister: "Wir sehen das Problem schon lange. Wir müssen einen Teil der wichtigen Wirkstoffe wieder in Europa produzieren lassen. Und da hilft nur der Zwang, dass die Krankenkassen dann auch aus Europa kaufen müssen."

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Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, forderte Lauterbach in der Rheinischen Post auf, höhere Preise nur für wirklich versorgungsrelevante Kindermedikamente zuzulassen. Im Gegensatz dazu kritisierte der CSU-Gesundheitsexperte Stephan Pilsinger in der Augsburger Allgemeinen: "Leider gehen die Maßnahmen auch nicht weit genug." Von den über 330 von Engpässen betroffenen Medikamenten würden nur wenige Arzneimittelgruppen wie Kinderarzneimittel, Krebsmedikamente oder Antibiotika von den geplanten Änderungen erfasst.

Angesichts der überfüllten Kliniken warb der Deutsche Städtetag bei niedergelassene Ärztinnen und Ärzten für längere Öffnungszeiten. "Bitte prüfen Sie, Ihre Praxen auch noch nach 18 Uhr, am Samstag und Sonntag und an den Feiertagen offen zu halten", sagte Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

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