Mecklenburg-Vorpommern Rechte Überläufer - von der NPD zur AfD

NPD- und AfD-Anhänger bei einer Demonstration in Rostock im Oktober 2015.

(Foto: dpa)

Für die NPD wird es bei der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern knapp. Neue Hoffnung der Rechten im Land ist die AfD. Erste Szene-Größen sind bereits übergelaufen.

Von Reiko Pinkert, Andrea Röpke und Peter Burghardt

Die Mail des Landessprechers der AfD, Matthias Manthei, im Februar war voller Optimismus. Die Mitgliederzahlen in Mecklenburg-Vorpommern seien weiter angestiegen, die finanzielle Lage sei stabil. Die Bundespartei werde 200 000 Euro für den Wahlkampf zur Verfügung stellen. Der Kontostand betrage mehr als 80 000 Euro - nicht wenig für einen so jungen Landesverband. Doch das Geld der in dem Brief angegebenen 26 Förderer reichte für den Wahlkampf offensichtlich nicht aus.

So trafen sich im Juni nach Informationen von NDR und Süddeutscher Zeitung potenzielle Geldgeber und AfD-Personal zu einem exklusiven "Charityabend" auf Schloss Jessenitz bei Lübtheen. Zwei Sicherheitsleute in schwarzer Uniform und Barett kontrollierten die Fahrzeuge, öffneten kurz das hohe schmiedeeiserne Tor und schlossen es wieder. Im Mittelpunkt der geheimnisvollen Veranstaltung stand AfD-Vize Alexander Gauland.

Eingeladen hatte Schlossbesitzer Philip Steinbeck. Früher war er im Irak, heute handelt er mit ausgemusterten Tanksäulen. Ihm gehören mehrere Immobilien in Lübtheen. Zudem hat Gaulands Gastgeber eine braune Vergangenheit.

Steinbeck und Pastörs galten lange als Gespann

Bereits an der Uni war er Mitglied einer ultrarechten schlagenden Burschenschaft, nach dem Abbruch seines Jurastudiums arbeitete er Anfang der Neunzigerjahre in der Kieler Landtagsfraktion der rechtsextremen "Deutschen Liga für Volk und Heimat" (DLVH). Die DLVH lobte damals eine Belohnung aus für jeden illegalen Flüchtling, der ihnen gemeldet werden würde. Auch pflegte Steinbeck ein freundschaftliches Verhältnis zu dem bekannten NPD-Anwalt Jürgen Rieger. Zwei Dörfer entfernt von Jessenitz wohnt in einem ehemaligen Reichsmusterdorf Udo Pastörs, Fraktionschef der NPD in Schwerin. Steinbeck und Pastörs galten lange als Gespann.

Pastörs hatte Deutschland als "Judenrepublik" betitelt und war dafür 2010 wegen Volksverhetzung verurteilt worden. Steinbeck verkaufte dem vermögenden Neonazi bereits 2002 seine Anteile an einem Bauberatungs- und Vertriebsunternehmen. Beide engagierten sich danach in einer örtlichen Bürgerinitiative, die von Neonazis unterwandert wurde. Bis 2014 wohnte ein NPD-Ordner und Mitglied der 2009 verbotenen "Heimattreuen Deutschen Jugend" (HDJ) sogar im Schloss Jessenitz. Der völkische Forstwirt gilt als besonders radikal, bei der HDJ drillte er Jugendliche.

Bei Steinbeck verkehrte außerdem der Vorsitzende des NPD-Kreisverbandes, Andreas Theißen. Der war 2008 verurteilt worden, weil er 2006 im Landtagswahlkampf einen Kameramann verletzt hatte. Die Einigkeit mit der NPD hielt jedoch nicht. Steinbeck setzt inzwischen auf die neuen rechten Hoffnungsträger der AfD, beim Parteitag in Stuttgart stand sein Name auf der Teilnehmerliste. Umfragen sagen der AfD für die Landtagswahlen am 4. September in Mecklenburg-Vorpommern 21 Prozent voraus, sie würde im Schweriner Schloss künftig die Opposition anführen. Für die NPD dagegen wird es knapp.