bedeckt München 29°

Mecklenburg-Vorpommern:Letzte Bastion der NPD könnte fallen

Mecklenburg-Western Pomerania Prepares For State Elections

Wahlkampf in Schwerin: Halbnackte Frauen sind der NPD willkommen.

(Foto: Getty Images)
  • Vor der Landtagswahl liegt die NPD in Umfragen bei drei Prozent - ihr Wiedereinzug ist unsicher.
  • Dass die rechtsextreme Partei nicht gegen die AfD ankommt, hat sie sich bereits vor Beginn des Wahlkampfs eingestehen müssen.
  • Selbst wenn die NPD aus dem Landtag fliegt, bleiben die Rechtsextremen im Land.

Udo Pastörs fährt Fahrrad. Ein bisschen albern sieht das aus, wie er auf dem zu kleinen roten Gefährt sitzt und mit flatterndem NPD-Fähnchen klingelnd durch Güstrow radelt. Der Wahlkampfspot, den die NPD bei Facebook hochgeladen hat, soll Bürgernähe und eine gewisse Lockerheit transportieren. Dabei gilt Pastörs als sehr verbissen. Tatsächlich ist das Video auch eine perfekte Zustandsbeschreibung der Partei.

Am 4. September wird in Mecklenburg-Vorpommern ein neuer Landtag gewählt. Der Wiedereinzug der NPD ist genauso unsicher wie Pastörs auf seinem Fahrrad. Umfragen sehen die NPD derzeit bei drei Prozent. Ihr großer Konkurrent, die Alternative für Deutschland, schafft es auf jeden Fall in den Landtag - die Frage ist nur, mit welchem Rekordergebnis. Derzeit liegt sie bei 19 Prozent.

Dass die rechtsextreme NPD nicht gegen die AfD ankommt, hat sich die Partei bereits vor Beginn des Wahlkampfs eingestehen müssen. Weil die Aussicht auf ein Direktmandat gering ist, hat sich die NPD dagegen entschieden, in den Wahlkreisen mit entsprechenden Kandidaten anzutreten. Die Partei empfiehlt ihren Wählern, die Erststimme der AfD und die Zweitstimme der NPD zu geben. Schnittmengen scheint es aus Sicht der Rechtsextremen durchaus genug zu geben. Bei einer Wahlveranstaltung der AfD wird von "asylpolitischem Amoklauf" und "Politik für das eigene Volk" geredet ( Bericht von Peter Burghardt). Äußerungen wie diese könnten auch von Pastörs stammen.

Die letzte Bastion

Die Zweitstimmenkampagne zeigt, wie verzweifelt die Partei ist. Der 4. September entscheidet darüber, ob die Partei bundesweit endgültig in die Bedeutungslosigkeit abrutscht. Seitdem Holger Apfel aus der Partei gemobbt wurde und Frank Franz den Vorsitz übernahm, fällt die NPD kaum noch auf. 2014 flog sie aus dem sächsischen Landtag. In Thüringen kratzte sie nicht mal an der Fünf-Prozent-Hürde. Die NPD plagen finanzielle Probleme und Mitgliederschwund. So mancher witzelt sogar, dass ein Verbot, das derzeit beim Bundesverfassungsgericht anhängig ist, nicht mehr nötig sei. Die Partei schaffe sich selbst ab.

Mecklenburg-Vorpommern galt immer als letzte Bastion. Die vom früheren Bundesvorsitzenden Udo Voigt angestrebte Vernetzung mit den sogenannten Freien Kameradschaften gelang hier besonders gut. In den Fraktionsbüros arbeiten auch Anhänger von Neonazi-Organisationen.

Die Partei hat in Mecklenburg-Vorpommern 53 Mandate ( Aufstellung von Spiegel Online), doch landespolitisch spielt sie kaum noch eine Rolle. Die Parteien im Landtag wissen, wie sie mit der NPD umgehen müssen. Durchgesetzt hat sich der sogenannte "Schweriner Weg", wonach nur ein Vertreter der demokratischen Parteien auf Anträge der NPD antwortet ( was der "Schweriner Weg" sonst noch vorsieht). "Die NPD gilt hier als geächtete Partei", sagt Oliver Cruzcampo von Endstation Rechts, einer Internetseite, die rechte und rechtsextreme Aktivitäten dokumentiert.

Um 2016 dennoch an Stimmen zu gelangen, kündigte die NPD den "größten Wahlkampf aller Zeiten" an. Mehrere tausende Plakate seien geklebt worden, heißt es. "Familien brauchen Sicherheit" steht auf einem. Wer genau hinsieht, liest noch den Zusatz "Keine Rapefugees". Aktivisten erstatteten Anzeige wegen Volksverhetzung. Andere gestalteten die Parolen kreativ um:

Angeblich wurden von der NPD zudem 100 000 Rentner angeschrieben.

Seit mehreren Wochen ist die Partei in Gestalt von Udo Pastörs unterwegs. Der Wahlkampf ist auf ihn zugeschnitten. Sein Gesicht prangt auf dem Kleinbus, der durchs Land tourt. Er ist es auch, der im Hintergrund brüllt, als der Landesvorsitzende Stefan Köster an sein Handy geht. Köster muss erst ein paar Schritte gehen, damit Pastörs leiser und der Anrufer lauter wird. Gerade sei man zur Wahlkampfveranstaltung in Lübtheen, sagt Köster am Telefon. Eine Stadt mit fast 4800 Einwohnern, im Südwesten gelegen. Bis zur Wahl wolle man mehr als 100 Städte anfahren.

Der Rücklauf scheint gering. 20 Zuhörer sollen Köster zufolge in Lübtheen gekommen sein. Bei einer Veranstaltung in Schwerin kamen offenbar nur acht Personen. Köster spielt das herunter: "Wir kündigen unsere Veranstaltungen ja nicht offen an, sondern wollen spontan mit den Leuten ins Gespräch kommen."