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Mecklenburg-Vorpommern:Redner beschwören den Untergang Deutschlands herauf

Der vormalige Radiomoderator Holm soll offenbar irgendwie gemäßigt rüber kommen, das misslingt bereits bei seiner Vorstellung. Man brauche "weniger Hassprediger wie einen Ralf Stegner in der SPD", präsentiert ihn ein Sprecher, was angesichts der Debatte über Hassprediger in Moscheen eine Unverschämtheit ist. Der Ökonom Holm geißelt dann "die inländerfeindliche Politik", die Deutschland "unaufhörlich Richtung Abgrund" lenke. "Wenn Frau Merkel nicht mehr in der Lage ist, die Grenze zu schützen, dann soll sie zurücktreten und uns das überlassen", ruft Holm. Auch erinnert er wieder an die Wende, das passt zum Frust vieler Wähler. "1989 hat gezeigt, dass wir gemeinsam etwas Großes bewegen können!" Holm war damals 19 Jahre alt.

Es folgt der Hauptredner, der wie ein Heilsbringer präsentiert wird: "Björn Höcke, bitte sprechen Sie zu uns!" Höcke lädt zu Strafanzeigen gegen die trillerpfeifenden Demonstranten zu seiner Linken ein und will außer einer Zeitung der "Lügenpresse" auch jene Politgegner anzeigen, die sich den beurlaubten Lehrer Höcke nicht mehr als Pädagogen im Staatsdienst vorstellen wollen. Er soll über Bildung sprechen, obwohl er den Gesamtkollaps wittert: "Wir brauchen uns nicht mit dem Räumen des Gehwegs vom Schnee beschäftigen, während am Hang über uns eine Lawine zu Tal geht!"

Zur Bildung hört man von ihm Thesen wie: "Gesunde Gesellschaften haben gesunde Schulen. Mit Blick auf unsere Schulen müssen wir sagen, unsere Gesellschaft ist sterbenskrank!" Oder, man sieht die Pickelhauben zurückkehren: "Ja zu preußischen Tugenden!" Oder: "Hände weg von den Seelen unserer Kinder!" Oder: "Der Mensch aber, und das ist eine anthroposophische Konstante, ist auf Orientierung angelegt."

Björn Höcke nennt Merkel "Trulla aus der Uckermark"

In Höckes Deutschland wüten "Gendermainstream", "Akademisierungswahn" und "ideologische Indoktrination". Die Kleinen würden in Kitas "hypersexualisiert". Kanzlerin Angela Merkel nennt er "die Kanzlerdiktatorin" und "Trulla aus der Uckermark". Die Grünen sind für ihn stets "von der pädophilen grünen Partei". Der SPD-Stegner ist bei ihm "Pöbel-Ralle".

Da klatschen auch ein paar Tätowierte mit offenkundig rechter Gesinnung sowie ein Anhänger, auf dessen T-Shirt "Großdeutschland - Gott, Ehre, Vaterland" zu lesen ist. Angekündigt wird noch der Besuch des früheren tschechischen Präsidenten Václav Klaus, der die AfD mag und dem Kreml nahesteht. Am Ende singen die bürgerlichen Patrioten die Nationalhymne. Begeistert sind die AfD-Freunde, für die Mecklenburg-Vorpommern ohne AfD zusammenbräche, obwohl die Arbeitslosigkeit hier halbiert wurde und es in dieser Gegend kaum Flüchtlinge oder sonstige Ausländer gibt, dafür umso mehr Touristen. Die Urlauberin aus Travemünde zieht erschrocken ab, sie wird sich sicher trotzdem das Schweriner Schloss ansehen.

© SZ vom 24.08.2016

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