Mecklenburg-Vorpommern:Flüchtlingsdiskriminierung mit Hakenkreuz

BESTPIX New Refugee Center Draws Controversy In Wolgast

Vor Krieg und Gewalt ist dieser afghanische Junge geflohen, doch in Deutschland können Flüchtlinge wie er nicht immer auf Verständnis hoffen.

(Foto: Sean Gallup/Getty Images)

Mecklenburg-Vorpommern kann auch anders. In Rostock betreibt der Verein Ökohaus mit Rückhalt aus der Bürgerschaft und ausgebildeten Sozialpädagogen eine gelobte Gemeinschaftsunterkunft. Ulrike Seemann-Katz spricht von Fortschritten in der Politik: von mehr Verständnis dafür, dass Integration von Flüchtlingen nicht bedeutet, sie fern der Einheimischen im Wald oder am Stadtrand unterzubringen.

Und nicht überall klagen die Flüchtlinge über Anfeindungen, sie nehmen allenfalls eine gewisse Gleichgültigkeit wahr. "Die Leute sind alle gut", sagt Morteza Rahimi aus Afghanistan, der mit seinen Eltern in der Gemeinschaftsunterkunft in Ludwigslust lebt, "wir haben keinen Kontakt."

Enger Raum, ewiges Warten

Er und seine Mitbewohner haben andere Beschwerden: der enge Raum, die wenigen, vernachlässigten Duschen, die Kakerlaken. Und das ewige Warten auf die Entscheidungen der Behörden macht die Menschen krank. Arif Agai aus Afghanistan ist seit fünf Jahren in Ludwigslust. Er zeigt seine Atteste. Depressionen? Er nickt.

Auf einer Tour durch die Flüchtlingsunterkünfte hört man viele bedrückende Geschichten. Aber besonders bedrückend sind die Berichte von den Anfeindungen. In Anklam und Güstrow beschreiben die Flüchtlinge die Stimmung in der Stadt als "beängstigend", "unfreundlich" und "abweisend".

Eine Mutter aus Syrien erzählt mithilfe eines Dolmetschers, dass sie eines Morgens ihren jüngeren Sohn zum Kindergarten bringen wollte. Sie sei Leuten begegnet, sie habe sie schimpfen gehört, und dann habe einer mit Kreide ein Hakenkreuz auf die Straße gemalt. "Ich schließe nicht aus, dass es gute Leute gibt in Deutschland", sagt die Mutter, "aber ich habe das nicht gesehen."

Abdoulaye Mbodji und Sherif Barry rätseln auch über dieses Deutschland, das sie in Güstrow kennenlernen. Mbodji ist Geologe, aus Mauretanien ging er weg, weil er als Kritiker der autoritären Regierung dort keinen Job mehr bekam. Barry ist Schweißer, er flüchtete aus den gleichen Gründen.

Mbodji lächelt nachsichtig über die Welt, die um ihn herum ist, und sagt: "Integration ist schwierig hier." Barry wirkt aufgewühlter. Aber beide sagen, dass sie sich nicht provozieren lassen von den braunen Schreihälsen, die nur ihr eigenes schiefes Weltbild kennen. Die beiden Mauretanier sind klüger als sie.

© SZ vom 20.10.2014/gal
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