Mecklenburg-Vorpommern:Manuela Schwesig hat die Wahl

Landtagswahl MV - Schwesig SPD

Schon die allerersten Zahlen am frühen Sonntagabend stimmen die Sozialdemokratin Manuela Schwesig glücklich.

(Foto: Jens Büttner/DPA)

Die Landeschefin im Nordosten ist die strahlendste Siegerin des Wahlsonntags. Ein bisschen Unterstützung beim Regieren braucht ihre SPD trotzdem. Drei Optionen kommen infrage.

Von Peter Burghardt, Schwerin

Da steht sie nun an diesem rauschenden Abend. Manuela Schwesig, die alte und neue Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, die derzeit erfolgreichste Politikerin der SPD. Die Frau, der Freunde der Sozialdemokraten inzwischen so ziemlich jeden Spitzenjob in der Partei zutrauen würden.

Die Grafiken auf der Leinwand bei der SPD-Wahlparty in der Schweriner Altstadt leuchten rot. Der Balken der Partei bei den Hochrechnungen nach dieser Landtagswahl wächst in diesen Stunden immer höher, und die SPD erobert auch die meisten Wahlkreise. Fast 40 Prozent der Stimmen sind es am Ende - dreimal so viele wie bei der CDU, neun Prozentpunkte mehr als vor fünf Jahren und nur unwesentlich weniger als beim größten Erfolg 2002. "Ja, geflasht würde ich sagen", antwortet Manuela Schwesig, als man sich in einem kurzen Moment der Ruhe nach ihrem Befinden erkundigt. "Ich bin glücklich und berührt. Es waren ja auch schwere Jahre, in denen man den Menschen Dinge zumuten musste, die man sich nicht vorstellen konnte."

Sie hätte sich das selbst alles kaum vorstellen können. Ihr Vorgänger Erwin Sellering, SPD-Wahlsieger 2016, schied 2017 mit einer Krebserkrankung aus dem Amt. Sie übernahm und erkrankte 2019 selbst, an Brustkrebs, es begannen Monate der Therapie. Dann kam obendrein Corona, sie führte ihr Bundesland durch die Pandemie. "Das zeigt, dass nach Regen die Sonne kommt und dass man nicht aufgeben darf", sagt Manuela Schwesig, ehe sie weitermuss zum nächsten Interview.

Es ist ihr Moment, ihr erster großer Wahltriumph. Die Spitzenkandidatin zog die SPD durch den Wahlkampf im deutschen Nordosten und beschert ihr ein vergleichsweise himmlisches Ergebnis. Das genießt sie, soweit das an einem Wahltag geht. Morgens Familienfrühstück, jetzt die Politfeier mit Gesprächsmarathon beim Italiener, ihr Sohn ist auch da und macht Fotos. Seine Mutter trägt einen cremefarbenen Hosenanzug mit rosa Top und wechselt nach ein paar Stunden die Schuhe, Sneakers statt Pumps, bequemer.

Schwesig wird mit vier Parteien sprechen

Solche Tage und Wochen sind anstrengend genug, am nächsten Morgen geht es gleich weiter. Erst der Besuch in der Berliner SPD-Zentrale bei Olaf Scholz und Franziska Giffey, die ebenfalls gewonnen haben, allerdings knapper als sie. Dann tagt am Montagabend in Güstrow der SPD-Landesvorstand, die Regierungschefin hat ab sofort die Wahl. Sie und ihre Mitstreiter werden vermutlich mit vier Parteien über eine künftige Koalition sprechen, drei Optionen kommen in Frage: erneut mit der CDU, wie früher mit den Linken oder erstmals mit Grünen und FDP.

Alle drei Kombinationen wären rechnerisch möglich im Schweriner Schloss, dem schönsten Landtag Deutschlands. Also, wer wird Anhängsel der SPD, die mehr Mandate besitzt als CDU und AfD zusammen, aber dennoch eine kleine Unterstützung braucht? Eine stabile Regierung solle es sein, "ein verlässlicher Partner", sagt Manuela Schwesig. Die größte Mehrheit und Tradition hätte ein fortgesetztes Rot-Schwarz-Bündnis, wie seit 15 Jahren. Zusammen wären es diesmal 46 der 79 Sitze. Nur, wie stabil ist die abgestürzte CDU noch mit ihren 13,3 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern?

Man müsse "erstmal sehen, wie die CDU sich aufstellen will", sagt Schwesig. Das weiß die CDU im Moment wohl selbst nicht so genau. Sie liegt wieder hinter der AfD (16,7 Prozent), ihr Verlegenheitsbewerber Michael Sack ist nach seinem Debakel wie erwartet als Landesvorsitzender zurückgetreten; vorübergehend übernimmt der ehemalige Parteichef Eckhardt Rehberg. Selbst der Bundestagswahlkreis 15, den Angela Merkel seit der Wende beherrscht hatte, ging an die SPD verloren. Und nebenan der Bundestagswahlkreis von Philipp Amthor an die AfD. Die reinste Katastrophe.

Weiter mitregieren würde die CDU trotzdem gerne, andernfalls ginge es unter Umständen dauerhaft in die Opposition. Die SPD wird sich voraussichtlich auch mit den Linken über Rot-Rot unterhalten und mit Grünen und Liberalen über eine Ampel. Das Kommando führt in jedem Fall Manuela Schwesig, sie spricht von starker Wirtschaft, sozialem Zusammenhalt, Umweltschutz.

"Was ich so als Frau erlebt habe", bricht es aus ihr heraus

Natürlich sind da auch die Fragen nach ihrem weiteren Karriereplan. Bundesfamilienministerin und kommissarische SPD-Vorsitzende war sie bereits. Sie sei stolz darauf, "Ministerpräsidentin des schönsten Bundeslandes in Deutschland zu sein", sagt Manuela Schwesig dann und lächelt. Sie wolle "dem Vertrauen hier im Land gerecht werden."

Schwesig hat sich durchgesetzt. "Was ich so als Frau erlebt habe", sagt sie einmal, es bricht aus ihr heraus. "Der Wahlabend in Mecklenburg-Vorpommern war eine klare Botschaft. Die Demokratie braucht die Stimme der Frauen." Nach dem Regen die Sonne.

Am Montagmorgen geht ein krachendes Gewitter über Schwerin nieder - aber da ist die Wahlsiegerin schon auf dem Weg zur SPD nach Berlin.

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