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MDR sagt Merkel-Interview ab:"Das sollte Mutti richten"

Frage der Neutralität: Der MDR wollte ein Interview mit Merkel noch vor und eines mit Steinmeier erst nach der Landtagswahl ausstrahlen. Nach Kritik von SPD und Linken sind nun beide Sendungen gestrichen.

Die Frage war einfach und knackig: "Wie weiter im Osten?" Darüber wollte der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihrem Herausforderer Frank-Walter Steinmeier diskutieren. An sich eine normale Planung, doch als pikant erwiesen sich die anvisierten Termine.

Bundeskanzlerin Merkel sollte heute dem MDR ein 15-minütiges Interview geben - nun wurde es abgesagt.

(Foto: Foto: dpa)

Die CDU-Vorsitzende Merkel sollte am 27. August Rede und Antwort stehen - drei Tage vor der Landtagswahl in Sachsen und Thüringen und also noch rechtzeitig, unschlüssige Wähler noch dazu zu bewegen, CDU zu wählen. Das fünfzehnminütige Interview mit SPD-Kandidat Steinmeier war für den 10. September vorgesehen, doch zu diesem Zeitpunkt wäre nur eine Wahlnachlese möglich gewesen.

Nach harscher Kritik der Linken hat der MDR nun Konsequenzen gezogen und beide Interviews abgesagt. Intendant Udo Reiter begründete seine Entscheidung mit den Worten, die Terminwahl seines Senders sei unglücklich gewesen. Man habe eine einseitige Beeinflussung nicht ausschließen können, heißt es weiter. Weshalb man diese Möglichkeit nicht vorher bedachte habe, bleibt ein Geheimnis des öffentlich-rechtlichen Senders - der Termin der Landtagswahlen ist seit Monaten bekannt.

Die CDU reagiert verärgert über das Verhalten des MDR und spricht von einem "bemerkenswerten Vorgehen". Für die "überstürzte" Absage, die ohne jegliche Begründung erfolgt ist, fehle es "an jeglichem Verständnis", sagt ein Parteisprecher zu sueddeutsche.de.. Schließlich habe der MDR das Interview angefragt und der Termin sei bereits vor Wochen ausgemacht worden.

Jochen Staschewski, Landesgeschäftsführer der thüringischen SPD, berichtet im Gespräch mit sueddeutsche.de ebenfalls von einem "Riesendurcheinander" in der Planung. Am gestrigen Mittwoch hätten die Genossen den MDR wegen der Terminierung kontaktiert, woraufhin der Sender angeboten habe, das Gespräch mit Steinmeier am 28. August zu senden. Heute kam nun die kurzfristige Absage des MDR.

SPD-Funktionär Staschewski wertet den Vorgang als Indiz dafür, dass die CDU nervös wird: "Althaus hat im TV-Duell versagt und nun sollte Merkel die heißen Kartoffeln aus dem Feuer holen." Er sagte sueddeutsche.de: "Das sollte Mutti jetzt richten."

Die Linke hatte schon am Mittwoch dem MDR vorgeworfen, die Wahlen in Sachsen und Thüringen beeinflussen zu wollen. "Kein anderer Sender präsentiert so kurz vor den Landtagswahlen einen Spitzenpolitiker einer Partei exklusiv im Interview", schrieben die Fraktionschefs der Linken in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, André Hahn, Wulf Gallert und Dieter Hausold. Dies sei ein Verstoß gegen Paragraph 8 des MDR-Staatsvertrages, wonach das Gesamtprogramm "nicht einseitig einer Partei oder Gruppe" dienen dürfe.

"Mit dieser Extra-Wurst für Angela Merkel drei Tage vor den Landtagswahlen offenbart der MDR, dass er nicht parteipolitisch neutral ist", hieß es in der Erklärung der Fraktionschefs. Auch der Thüringer SPD-Medienpolitiker Werner Pidde hatte Zweifel an der parteipolitischen Neutralität des Senders geäußert und den MDR aufgefordert, die geplante Sendung mit Merkel aus dem Programm zu nehmen.

Linkspolitiker Hahn hatte dem MDR wiederholt eine Bevorzugung der CDU vorgeworfen, weil er kein TV-Duell mit Sachsens Regierungschef Stanislaw Tillich (CDU) bekam. Der MDR wies das zurück. Am Donnerstag formierte sich im Fernsehen doch noch eine Kandidatenrunde. Im ZDF-"Morgenmagazin" kam es jedoch nicht zum direkten Schlagabtausch und zudem waren nur die Spitzenkandidaten von CDU, Linken und SPD dabei.

Tillich bezeichnete Sachsen als "das erfolgreichste neue Bundesland". Hahn sah den Wahlausgang völlig offen: "Die CDU ist nach 20 Jahren an der Macht verbraucht". SPD-Spitzenkandidat und Wirtschaftsminister Thomas Jurk warnte vor einem Bündnis von CDU und FDP im Freistaat.

© sueddeutsche.de/mit dpa/AFP/bica/mati/gba
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