Massenmord in Florida Obama: Schütze von Orlando offenbar Einzeltäter

Obama spricht im Weißen Haus über aktuelle Erkenntnisse.

(Foto: AFP)
  • Omar Mateen tötete in einem Gay-Club in Orlando, Florida, 49 Menschen.
  • Die Terrormiliz IS hat sich per Stellungnahme zu dem Anschlag geäußert. Die US-Regierung geht jedoch davon aus, dass der Attentäter keine Anweisungen erhalten hat.
  • Derzeit ermittelt das FBI gegen weitere Personen.

Es ist das blutigste Schusswaffenattentat in der jüngeren Geschichte der USA - und noch sind viele Fragen offen. Mindestens 49 Menschen hat der Attentäter in einem Gay-Club in Orlando getötet, 53 weitere verletzt.

Der Todesschütze, Omar Mir Seddique Mateen war nach Einschätzung der US-Regierung ein Einzeltäter. Es gebe keine Hinweise darauf, dass ihm jemand Anweisungen gegeben habe oder dass er Teil eines größeren Netzwerks gewesen sei, sagte Präsident Barack Obama. Es deute hingegen einiges darauf hin, dass ihn extremistische Botschaften im Internet dazu gebracht hätten. Mateen habe offenbar "verschiedenstes extremistisches Material" verschlungen, das er im Netz gefunden habe, sagte der US-Präsident nach einem Treffen mit FBI-Chef James Comey und Heimatschutzminister Jeh Johnson.

Hilfe für Angehörige hat oberste Priorität

Bei einer Pressekonferenz erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft, dass nach dem Attentat von Orlando gegen weitere Personen ermittelt werde. Durchsuchungsbefehle seien ausgestellt worden, sagte Lee Bentley. Von den betroffenen Personen gehe jedoch keine Gefahr aus. "Derzeit sind wir noch dabei, Informationen zu sammeln, um die Hintergründe der Tat aufzuklären." Die Ermittlungen seien noch in einem frühen Stadium. Aber: "Wir werden keinen Stein auf dem anderen lassen", erklärte einer der Speziagenten des FBI.

Oberste Priorität habe laut Gouverneur Rick Scott derzeit die Unterstützung der Angehörigen. Laut FBI wurden bisher 48 der Opfer von der Gerichtsmedizin identifiziert. Allerdings konnten erst 24 Familien informiert werden.

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Trauer mit erhobenem Haupt

Mögliche Motive für die Tat

Der 29-jährige Omar Mateen stammt aus Fort Pierce im US-Bundesstaat Florida. Er wurde von der Polizei getötet. Seine Familie stammt aus Afghanistan, er selbst wurde in New York geboren. Angehörige beschrieben Mateen als impulsiv, gewalttätig und psychisch instabil. "Er konnte von jetzt auf gleich durchdrehen", sagt seine Exfrau Sitora Yusufiy, die er geschlagen haben soll. Hass auf Schwule führt Mateens Vater Mir Seddique als mögliches Motiv an.

Die Ermittler gehen derzeit auch Hinweisen auf ein islamistisches Motiv nach, man ermittelt wegen eines Terrorakts. Die Bundespolizei FBI hatte den mutmaßlichen Attentäter nach eigenen Angaben schon 2013 im Visier, stellte die Beobachtung nach zwei Vernehmungen aber wieder ein. Hinweise für einen IS-Hintergrund gibt es laut Ermittlern, diese haben sich aber noch nicht erhärtet.

Für eine Verbindung zum IS spricht eine Stellungnahme der Terrormiliz in einem ihrer Radiosender. "Einer der Soldaten des Kalifats in den USA hat einen Angriff ausgeführt, bei dem ihm der Zugang zu einem Treffen der Kreuzzügler in einem Nachtklub für Homosexuelle in Orlando, Florida, gelungen ist", hieß es im Sender Albayan. Schon am Sonntag reklamierte die Terrorgruppe die Verantwortung für den Anschlag über einen ihrer Propagandakanäle.

Was im Club passierte

Gegen zwei Uhr morgens parkte Omar Mateen sein Auto vor dem Gay-Club "Pulse", wo er nur wenige Minuten später das Feuer eröffnete. Am Haupteingang des "Pulse" standen Türsteher. Wie der Attentäter in den Club gelangte, ist noch unklar. Nach den ersten Schüssen versteckten sich einige Gäste in den Toiletten. Von dort schickten sie SMS an Angehörige und benachrichtigten die Polizei.

Die lieferte sich Polizeichef John Mina zufolge eine Schießerei mit Mateen, der sich schließlich in einer der Toiletten verschanzte. Dort soll er mehrere Geiseln genommen haben. Gegen fünf Uhr morgens startet die Polizei ihre Rettungsaktion. Zunächst versuchen die Einsatzkräfte ein Loch in die Badezimmerwand zu sprengen. Als das misslingt, brechen sie mit einem schweren Fahrzeug durch. Dutzende Menschen strömen heraus - darunter auch der Täter. Dieser wird während eines Schusswechsels getötet.

Diskussion um schärfere Waffengesetze

Im Club wurden zwei Waffen gefunden, die dem Schützen gehörten. In dessen Auto fand sich noch eine Dritte, deren Herkunft noch ungeklärt ist. Omar Mateen benutzte für seine Tat unter anderem das Sturmgewehr AR-15, das er kurz zuvor legal erwarb. Er konnte dies, obwohl das FBI 2013 und 2014 gegen ihn ermittelte. Er war nicht vorbestraft und hatte eine Lizenz zum Besitz von Waffen. Das Sturmgewehr in seinen vielen Varianten ist laut der National Rifle Association das "beliebteste Gewehr" in den USA und wurde in der Vergangenheit bei weiteren Massakern verwendet. Der Anschlag in Orlando belebt erneut die Debatte um schärfere Waffengesetze.

Gedenken in Berlin

An mehreren Orten wird und wurde der Opfer von Orlando gedacht. Auch in Berlin soll am Mittag ein stilles Gedenken vor der US-Botschaft stattfinden.

Schießerei in Orlando "Beeil dich. Er ist hier bei uns in den Toiletten"
Massenmord in Gay-Club in Orlando

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Eddie Jamoldroy Justice ist eines der 49 Opfer des Disco-Massenmords. Während er sich vor dem Schützen versteckt hielt, schrieb er seiner Mutter Kurznachrichten.

Politiker zeigten sich nach der Tat schockiert, Präsident Barack Obama verurteilte die Schießerei als "Akt des Terrors und des Hasses". Er verwies erneut darauf, wie leicht es für Angreifer sei, sich in den USA eine Waffe zu besorgen, um Unschuldige in Schulen, Kirchen und Kinos zu töten.

Der Republikaner Donald Trump vereinnahmt das Attentat für seine Zwecke, wiederholte seine Forderung nach einem Einreiseverbot für Muslime und forderte Präsident Obama zum Rücktritt auf.