Massaker in Homs Beisetzung der "Märtyrer" im "Freiheitspark"

Nach einer Nacht des Granatenfeuers trauen sich die Einwohner der syrischen Protesthochburg Homs allmählich wieder auf die Straße. Zwischen Leichen und Trümmern suchen sie in der gepeinigten Stadt im Zentrum Syriens nach Vermissten.

"Knapp 200 Märtyrer werden im Freiheitspark beigesetzt", schildert Hadi Abdullah vom Generalrat der Syrischen Revolution in einem Telefonat mit der Nachrichtenagentur AFP die Situation: Tausende Einwohner versammelten sich an diesem Samstag zu Trauerprozessionen im Stadtteil Chalidijah, versichert Abdullah trotzig.

Khalidiya nahe Homs: Beerdigung der Opfer der Auseinandersetzungen

(Foto: REUTERS)

Die Panzer von Präsident Baschar al-Assad stehen nicht in der Stadt. Sie feuern von außen herein. "Das Assad-Regime hat eines der abscheulichsten Massaker seit dem Beginn der Revolte in Syrien begangen", so der Aufschrei des oppositionellen Syrischen Nationalrats. Bei dem Angriff auf Homs in der Nacht zum Samstag seien "mindestens 260 Zivilisten" getötet worden.

Abdullah schildert Szenen aus der belagerten Stadt, in der vom Geschützfeuer der Panzer einige Gebäude "ganz zerstört" worden seien. In den Krankenhäusern kämen die Ärzte nicht mit der Versorgung der Verwundeten nach, es mangele an medizinischem Material.

"Ausrottung der eigenen Bevölkerung"

Es ist nicht ganz klar, was diese Spirale der Gewalt in Bewegung gesetzt hat. Während die Einwohner der Stadt von einem "Massaker" sprechen, weist die Regierung in Damaskus jede Verantwortung weit von sich. Sie macht seit Monaten "bewaffnete Gruppen" für solche Vorfälle verantwortlich und sieht hinter den jüngsten Vorfällen eine Verschwörung, um im UN-Sicherheitsrat doch noch eine Verurteilung der Politik Assads durchzusetzen.

Ein freier Mitarbeiter von AFP filmte am Freitag Hunderte Einwohner im Stadtviertel Chalidijah, als sie lautstark gegen die Führung in Damaskus demonstrierten. Im Internet kursieren Videos, auf denen bewaffnete Mitglieder der Freien Syrischen Armee (ASL) zu sehen sind, die offenbar am Donnerstag im Stadtzentrum in Homs paradierten. Die ASL-Einheiten fühlten sich dabei so sicher, dass sie nicht einmal ihre Gesichter vermummten.

Zwei Tage später filmten nun die arabischen Nachrichtensender al-Arabija und al-Dschasira ein paar Straßenzüge weiter Szenen des Schreckens: Blutlachen und Dutzende Leichen.

Am Morgen sei das Bombardement eingestellt worden, sagt Abdullah. Die Einwohner hätten nun Gelegenheit, die Toten zu begraben, die Einheiten der regulären syrischen Armee blieben vor den Toren der Stadt. Aus der Sicht des Generalrats der Syrischen Revolution will die syrische Armee "Zeit gewinnen" und die "Bevölkerung terrorisieren", damit sie ihre "friedlichen Proteste" gegen die Führung in Damaskus einstellt. Wenn sich die Zahlen der Opposition von 217 bis 260 Toten bewahrheiten, war dieser Angriff auf Homs tatsächlich der blutigste einzelne Vorfall seit dem Beginn der Proteste gegen Assad im März 2011.

Auch die Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London, die seit dem Beginn des Aufstands zuverlässige Zahlen liefert, sprach am Samstag von einem "Massaker" in Homs. Zu den 217 Toten, die sie nannte, kamen hunderte Verletzte. Bei al-Dschasira sagten Augenzeugen, Nagelbomben seien eingesetzt worden. Die Muslimbrüder als Teil des Nationalrats fordern, dass die Verantwortlichen vor dem Internationalen Strafgerichtshof landen. Sie werfen Assad eine Politik der "Ausrottung der eigenen Bevölkerung" vor.