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Massaker am Nanga Parbat:Taliban bezeichnen Touristen-Mord als Rache für Drohnen-Angriff

Taliban bezeichnen Anschlag auf Bergsteiger am Nanga Parbat in Pakistan als Rache für Drohenangriff der USA an Wali ur Rehman

Zehn Menschen wurden von den Taliban am Nanga Parbat getötet.

(Foto: AFP)

Der Anschlag auf Bergsteiger am Nanga Parbat war offenbar ein Racheakt für einen US-amerikanischen Drohnen-Angriff. Pakistanische Taliban wollten damit Vergeltung für den Mord an einem hochrangigen Islamisten üben.

Bewaffnete Täter haben im pakistanischen Himalaya-Gebirge neun ausländische Bergsteiger und einen Pakistaner getötet. Nach Polizeiangaben überfielen die Angreifer, die Uniformen der Militärpolizei trugen, am späten Samstagabend eine Unterkunft nahe dem Basislager am Nanga Parbat.

Zu dem Anschlag bekannten sich die pakistanischen Taliban und bezeichnen das Massaker als einen Racheakt für den Drohnen-Angriff auf Wali ur Rehman. Ende Mai war der hochrangige Taliban nahe der Grenze zu Afghanistan ums Leben gekommen. Rehman war der Stellvertreter Hakimullah Mehsuds, der die Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP) kommandiert, und führte die TTP-Operationen in der Extremistenhochburg Süd-Waziristan. Die USA hatten ein Kopfgeld von fünf Millionen US-Dollar auf ihn ausgesetzt. "Sie (die Ausländer, Red.) sind Ungläubige. Sie wollen dem Islam schaden und wir werden sie angreifen, wo immer wir können", sagte ein Talibansprecher.

Unter den Opfern des Angriffs seien Bergsteiger aus China, der Ukraine und Russland, sagte ein ranghoher Polizeisprecher dem staatlichen Fernsehsender PTV. Ein Chinese überlebte demnach den Anschlag. Der ukrainische Botschafter in Islamabad, Wladimir Lakomow, sagte der Nachrichtenagentur AFP, fünf seiner Landsleute seien getötet worden. Der erst seit Anfang des Monats amtierende pakistanische Regierungschef Nawaz Sharif verurteilte den Angriff in aller Schärfe und ordnete "gründliche Ermittlungen und die Festnahme der Schuldigen" an.

Der pakistanische Innenminister Chaudhry Nisar sagte im Parlament, die Angreifer seien mit Hilfe zweier von ihnen verschleppter Bergführer zu dem Basislager gelangt. Einer der beiden Pakistaner sei erschossen worden, der andere sei am Leben. Nisar räumte ein, dass es für Ausländer in der betreffenden Region keinen Polizeischutz gebe. In einer Erklärung des Außenministeriums hieß es: "Wer dieses abscheuliche Verbrechen beging, wollte offenbar die wachsenden Beziehungen zwischen Pakistan und China sowie anderen befreundeten Ländern zerstören."

Der Anschlag ist der erste dieser Art in der Provinz Gilgit-Baltistan, schreibt die BBC. Die Region ist bei Touristen sehr beliebt, da sich hier unter anderem der Berg Nanga Parbat im Westhimalaya befindet. Die Stadt Gilgit wird als Tor zum Himalaya angesehen. Bisher galt die Provinz als eine der sicheren Regionen Pakistans.

© Süddeutsche.de/dpa/AFP/rela

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